BALKAN FEVER

2004 gründete Richard Schuberth das Festival Balkan Fever, dessen künstlerischer Leiter er bis 2010 war. Ihm zur Seite standen Joro Dermendjiev und Norbert Ehrlich sowie Gaby Müller-Klomfar (PR).

Einerseits trug das Festival dem damals erhöhten Interesse am Balkan und dessen Musik Rechnung (dem sogenannten Balkan-Boom), andererseits umschiffte es gängige Stereotypen und öffnete den Fokus von den typischen Balkan-Sounds (Gypsy Brass, Ost-Dancefloor) auf ein weites Panoptikum von Genres und Fusionmöglichkeiten. Anspruchsvolle traditionelle Musik, Underground & Independent, kreative World Music, Jazz und Ethno-Jazz etc.

Gypsy-Brass spielte eine untergeordnete Rolle, und nur künstlerisch interessante Kapellen wurden eingeladen.

So gelang es R. Schuberth und J. Dermendjiev mit dem Festival zum Beispiel (mit großzügiger Unterstützung des Porgy & Bess), der bunten und äußerst niveauvollen bulgarischen Ethnojazz-Szene eine Plattform in Österreich zu verschaffen. 

Gängigen Projektionen vom Balkan als Reservat fiktiver Authentizität konterte Balkan Fever mit Hochartifziellem, die Vorstellung von ländlicher Etzhnizität und zeitloser Archaik wurde mit einem mondänen, kosmopolitischen Balkan konterkariert, stilisierter machoider Ausgeflipptheit begegnete Balkan Fever oft mit lyrischen, konzertanten Projekten. Groove, ausgelassene Partystimmung und Ekstase kamen trotzdem nie zu kurz.

Balkan Fever war strikt antinational konzipiert. Länder- und kulturgreifende Projekte hatten Vorrang. Die vornationalen Kontinuitäten aus Habsburger und osmanischen Zeiten erlebten eine moderne kulturelle Renaissance. Hier lebende Musiker und Musikerinnen aus Südosteuropa waren Balkan Fever stets willkommen. Besonders der «feminine» Balkan konnte sich beim Festival immer wieder gegen eine maskuline Codierung balkanischer Kultur kraftvoll durchsetzen. Das bislang letzte Festival 2010 war ausschließlich Musik von Frauen gewidmet.

Das erste Festival 2004 fand größtenteils im Lokal Tunnel statt (neben der Eröffnung im Porgy & Bess und einem weiteren Konzert im Wuk). Ab 2005 ging Balkan Fever über die Bühnen der Sargfabrik, der Szene Wien, von Porgy & Bess, Birdland und Ost Klub. Auch im Konzerthaus, im Musikverein, im Planetarium und im Ega fanden BF-Konzerte statt.

Beinahe alle Veranstaltungen wurden von Emil Lubej und seinem Team fürs Internetradio Emap.FM aufgezeichnet und sind im Archiv der Website nachzuhören:

www.emap.fm

Informationen zu allen Festivals:

www.balkanfever.at