Ich will ein Kind von dir

Ich will es,

ja, ich will es

und zwar jetzt

jetzt und … hier!

Da gibt es kein Zurück

für dich, denn ich will es!

Wozu haben wir einander?

Es soll heißen Leander

oder zumindest Alexander.

Und wenn es ein Mädchen wird?

Stell keine dummen Fragen!

Ich will ein Kind von dir,

das mich endlich erwachsen macht.

Ich will ein Kind von dir.

Wenn nicht jetzt, so noch in dieser Nacht

Ich will ein Kind von dir,

das unsere laue Liebe leimt.

Ich will ein Kind von dir,

das nach meiner Li-Li-Liebe schleimt.

Ich will ein Kind von dir,

das nicht wie andere Kinder schreit.

Ich will ein Kind von dir,

das mich von meiner Unsicherheit befreit.

Ich will ein Kind von dir,

damit ich endlich nicht mehr rauche.

Ich will ein Kind von dir,

damit ich dich endlich nicht mehr brauche.

Ich will ein Kind von dir,

damit ich endlich Verantwortung trage.

Ich will ein Kind von dir

Durch welches ich dich endlich überrage.

Ich will ein Kind von dir,

das – wenn schon nicht meinen Horizont – 

meinen Geburtskanal erweitert.

Ich will ein Kind von dir,

der dann als Vater sicher scheitert.

Ich will ein Kind von dir,

Das nicht mein Geschlecht, aber meine Qualitäten hat.

Ich will ein Kind von dir,

Das dein Geschlecht, aber nicht deine Fehler hat.

Aber Schatzi, jetzt nicht, ich muss bis morgen den Bericht für den Bankenaufsichtsrat verfassen.

Ach ja, du hältst dich wohl für unersetzlich, Herbert. Doch Buenos Aires ist groß, es gibt so viele Männer dort, dann nehm ich halt Juan, Miguel, Xesús, Rodrigo – oder Manuelito, den glutäugigen Gaúcho, der bereits zwei Junta-Generälen die Aorta rausgebissen hat.

Doch eines, eines ist gewiss: Leander soll mein Sohn heißen, oder zumindest Alexander, denn mein Sohn soll was Besonderes sein, so wie ich – und wo was Besonderes draufsteht, ist gewiss auch was Besonderes drin, und Tango tanzen werde ich mit meinem Leander, nächtelang und eng umschlungen, mein carissimo Leander, zu Astor Piazolla, dem einzigen Komponisten, der meine Leidenschaften und Widersprüche versteht. Noch sind es nur meine drei Best-of-Piazzolla-CDs, die mich mit diesem Leben, das ich führen werde, verbinden. Noch bin ich nur die Gattin eines langweiligen Buchhaltertyps, doch wenn mein Sohn geboren ist, wird alles anders. Viel reisen werde ich mit meinem Leander, nach Biarritz, Monte Carlo, St. Moritz – und die Zigaretten des intensiveren Lebens aus florettlangen Spitzen rauchen. 

Denn ich will ein Kind von dir.

Zu was sonst bist du denn gut?

Ja, ich will ein Kind von dir.

Damit ich endlich zu mir finde,

zu meinem wahren Ich

wie die Jungfrau zu dem Kinde,

das ich von dir will.

Schalt endlich den Computer ab!

Ich weiß nicht, wo deine Penispumpe ist,

immer wenn du was nicht findest, dann hab’s ich verräumt.

Sieh doch im Badezimmer nach!

Na also, immer zuerst mich fragen anstatt selber zu suchen.

Nein, du wirst nicht das Licht abdrehen

ich will, dass du mir in die Augen siehst dabei.

Ich will ein Kind von dir

Zuerst mal eines und dann vier

Ich will ein Kind von dir

Und wenn du mit dem Pumpen fertig bist,

leg bitte die Piazolla-CD ein

Danke, Schatzi.

Ich will ein Kind.