How To Kill A Hitler Baby

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Synopse

 

 

»How To Kill A Hitler Baby«: eine rasante Komödie zu brisanten Themen. In Israel wurde in einem Experiment ein Agent in die Zukunft geschickt. Er kehrt mit schrecklichen Prognosen zurück – nicht nur für Israel, sondern die ganze Welt. Nach Abwägen aller Fürs und Widers werden zwei Agenten im Rahmen einer Geheimaktion in die Vergangenheit geschickt, um Adolf Hitler als Baby zu töten. Die idealistische und toughe Shira Bin Alisha, ihre Mutter war Oberösterreicherin, sowie der windige in Berlin lebende Sunnyboy Tzvi Honigmann, ein ehemaliger Scharfschütze. Dem ungleichen Paar will das Attentat nicht von der Hand gehen. Spätestens bei Hitlers Übersiedlung nach Wien versuchen sie es mit Bildung und Pädagogik und werden so etwas wie seine Zieheltern. Eine burleske Tour de force durchs Wien der Jahrhundertwende, was Antisemitismus, Nationenhass und die sozialen Widersprüche nicht ausspart, und unerwartete Gegenwartsbezüge offenbart. Zumindest gelingt es den beiden Agenten, so ganz nebenbei den Ersten Weltkrieg zu verhindern. Bei Gelingen des Drehbuchs soll eine sehr irrwitzige undübermütige, trotzdem geistreiche und ernste Kostümkomödie entstehen, die auch vor Anleihen bei 60ies-Agentenfilmen und Action-Trash nicht zurückschreckt, und ein Beispiel geben soll, wie feministische, antirassistische und überhaupt emanzipatorische Inhalte nicht – wie vielfach von PC-Kritikern behauptet – einen Widerspruch zur Form der Komödie darstellen, sondern dieser neue Schübe verleihen können.

 

 

Handelnde Personen

 

Shira Ben Alisha

29 Jahre, Unterleutnant der weiblichen Spezialeinheit Chasidah der Israelischen Armee (Zva haHagana leJisraʾel) und Spezialagentin mit dem Auftrag, Hitler als Kleinkind zu töten. Sie ist idealistisch, gebildet, ehrgeizig und penibel, erfahren in Nahkampfsportarten Aikido und Krav Maga, interessiert sich für Marxismus und Anarchismus und ist lesbisch. Ihr Gerechtigkeitssinn (auch ihr Verständnis für die Probleme der palästinensischen Bevölkerung) lässt sie oft in Konflikt mit Kolleg_innen und Vorgesetzten geraten. Und da sie über ein hohes Aggressionspotenzial verfügt, scheut sie vor gewaltsamen Lösungen nicht zurück. Mit einem jüdischen Vater sephardischer Abstammung und einer oberösterreichische Mutter ist sie eine sogenannte »Vater-Jüdin« und wurde von klein auf von vielen Religiösen nicht als vollwertige Jüdin anerkannt. Da die Eltern geschieden waren, wuchs sie teils in Tel Aviv, teils im Mühlviertel auf. Als ihre Mutter sich, auch angestachelt von ihrem Hass gegen Shiras Vater, für Jörg Haider und H.-C. Strache begeistert, hat sie sich mit 12 von der Mutter abgewandt. Ihr Vater begegnete ihr aber mit emotioneller Kälte. So hat sie sich selbst erzogen, war Punk und Junkie und trieb sich in der Tel Aviver Lesbenszene herum. Ihre Kenntnis des oberösterreichischen Dialekts, der Mentalität sowie großes historisches Wissen über die Zeit machen sie zur idealen Kandidatin für die Aktion Herodes. Im Wien um 1910 merkt sie noch schmerzlicher als in der Gegenwart, dass ihr Selbstbewusstsein Ablehnung und Spott hervorruft und sie bloß als Objekt begehrt, angehimmelt oder begrapscht wird.

 

Tzvi Honigmann

36, ist der genaue Gegentyp zu Shira Ben Alisha. Ein angeberischer, chaotischer Sunny Boy, nicht ernst zu nehmender Macho, liebenswürdiger Schönling, aber immer etwas daneben. Auch er hat in der Israelischen Armee gedient, als Scharfschütze, war jedoch unehrenhaft entlassen worden. In Berliner Kneipen spricht er für angemessene Gegenleistungen (alkoholische Getränke bei Männern, Sex bei Frauen) vom Gewissen geplagte Deutsche von der Schuld am Holocaust frei. Er ist Shira intellektuell unterlegen. In gefährlichen Situationen erweist er sich oft als Hasenfuß und lässt ihr den Vortritt. Ein Running Gag: Im Vergleich zur historisch perfekt vorbereiteten Shira ist für Zviv die Vergangenheit eine Zeitebene. Shira ist historisch übergenau und wird sehr nervös, wenn Zvi permanent ins Fettnäpfchen tritt, indem er sich für die Zeit zu antiquiert oder zu modern benimmt, was aber komischerweise niemandem auffällt oder sogar als charmant empfunden wird. Obwohl in vielen Belangen Shira unterlegen, kommt er stets leichter ans Ziel. Diese Gender-Grausamkeit ist eine der komischen Ebenen des Films. Das Verhältnis zu seiner Kollegin zitiert die klassische Komödienkonstellation von Ablehnung und Anziehung. Ein Paar werden sie jedoch nie.

 

Adolf Hitler

Neben einigen Baby- und Frühkinderszenen tritt Hitler im Alter von 18 und 24 Jahren auf. Eine unauffällige hochsensible Bohnenstange, die sich zu Großem berufen fühlt. Wankend zwischen extremer Schüchternheit und großsprecherischer Propagierung seiner angelesenen Ideen. Er ist deutschnational, sein Antisemitismus allerdings noch nicht stark ausgeprägt, also auf normalem österreichischem Level. Kühl, asexuell und doch brennend vor Sehnsucht. Seine dunkle nach innen gerichtete Stimme und das zart rollende R lassen bereits Ähnlichkeiten mit dem späteren privaten Hitler erkennen und sind Teil seiner Komik. In der Tat gelingt ihm ein Reifeprozess. Tzvi und vor allem Shira, die wider Willen so etwas wie seine Vormünder werden, locken eine kindliche, liebevolle Seite aus ihm heraus. Die Hitler-Figur des Films soll keineswegs den historischen Hitler verharmlosen, sondern bloß die Vorstellungen von dämonischen Gewaltmenschen ad absurdum führen.

 

Rosa Luxemburg

Deutschjüdische Sozialistin im mittleren Alter, charismatisch, tough, charmant. Shiras großes Vorbild, zu dem sie auch zarte Bande zu knüpfen hofft. Sie wird als lebenslustige Frau dargestellt, welche die Welt der Zukunft, in die Shira sie einführt, gefasst und mit Interesse aufnimmt. Sie weiß sofort, was zu tun ist: den Weltkrieg verhindern.

 

Peter Altenberg

Wiener Original, Bohemien und Kaffeehausdichter. Er freundet sich schnell mit Tzvi und Shira an, der er natürlich den Hof macht. Über sein schwärmerisches, antipatriarchales und doch sexistisches Frauenbild sieht sie amüsiert hinweg, denn mit seinen poetischen und kritischen Einfällen begleitet er die Handlung wie ein guter Geist. Im Ashantidorf der Wiener Völkerschau leistet er auch wertvolle Arbeit, den jungen Adi vom Rassismus zu kurieren. Und sein berühmter Knotenstock ist natürlich Anlass, ihn auch als Actionhelden einzuführen.

 

Olja  

Jüdische Prostituierte aus Lemberg, etwa gleich alt wie Hitler, aber ungleich lebenserfahrener. TBC-krank. Eine seiner wenigen Freund_innen.

 

Akolé

Junge Äthiopierin, die in der Völkerschau als Ashanti posiert. Muse Peter Altenbergs. Verdient mehr Geld als er und hält ihn aus. Eigenwillig und Retterin Hitlers vor dem Fiebertod.

 

Rolf, der Nazi, Abdulrahman, der Salafist, und Shlomo, der Siedler

Grotesk comichaftes Killertrio, das Oberst Shafir auf Tzvi und Shira ansetzt. Sie sind wandelnde Hommagen an Action-Trash und trotzdem Konzentrate jeglichen terroristischen Wahns. Ihr extremer Hass aufeinander bindet sie homophil aneinander, denn viel größer ist ihre Abneigung gegen die Ideologien der jeweils anderen beiden ist der Hass auf alles, was ihren sehr gut zusammenpassenden Weltbildern zuwiderläuft.

 

 

Beschreibung der Schauplätze

 

 

How To Kill A Hitler Baby beginnt im Israel der Gegenwart (modernes Büro-Interieur sowie schmucklose Straßenfluchten in den besetzten Gebieten), hat eine Szene in Braunau von 1889, im Linz von 1895 und 1899, und spielt von 1908 bis 1914 in Wien und Berlin. Trotz surrealer Übersteigerung soll der Lokalkolorit der Zeit so realistisch wie möglich wiedergegeben werden. Das schäbige, von bäuerlicher Umgebung geprägte Braunau. Wien in all seiner Widersprüchlichkeit:  elende Quartiere, Vorstadtszenarien voller Migranten aus der ganzen Monarchie, Rotlicht-Etablissements in Praternähe, das Parlament, in dem es drunter und drüber geht, die mondänen Salons des liberalen Bürgertums, morgendliche Stadtrandlichtungen, wo Tzvi Honigmann die Gatten seiner Liebhaberinnen im Duell erschießt, Cafés, in denen Peter Altenberg herumhängt, kleine, bescheidene bürgerliche Wohnungen, Ateliers dekadenter Künstler (beginnendes Art déco und Reformmode), die bier- und schweißstinkenden Wirtshäuser und Zelte, wo vor kleinbürgerlichem und seltener proletarischem Publikum die Deutschnationalen und Antisemiten agitieren. Das Ambiente soll also zwischen Sozialrealismus, Steampunk und übersteigerter Decadence wechseln. Zu aufwendige Massen- und Außenszenen könnten durch Archivmaterial ersetzt werden. Und manche Szenen sollen bewusst im Stummfilmstil der frühen Pathé Frères und Gaumont gehalten sein. Abenteuerträume Hitlers von deren Kulissenwelt inspiriert sein.

 

 

Treatment

 

 

Juni 1889. Shira Ben Alisha und Tzvi Honigmann schreiten in beschleinigten Stummfilmsequenzen über den Hauptplatz von Braunau. Tzvi trägt einen Koffer. Die beiden betreten ein Haus und läuten an einer Tür. Eine Frau öffnet und führt Tzvi ins Kinderzimmer. Er schraubt einen Schalldämpfer an seine Pistole und zielt. Auf ein lächelndes Baby.

Vorspann:

Mischung aus Jugendstil- und Psychedelic-Animation, Einblendung von Originalfotos und antisemitischen Propagandabildern. Schräge Drehorgelmusik mit Ragtime-Begleitung, Soulpoplied im Stil von James-Bond-Titelsongs: »How To Kill a Hitler Baby«.

Tel Aviv. Benazer Levy und Oberst Shafir von der israelischen Geheimdienstabteilung Miswa schreiten durch einen Gang und werden zu einem Agenten namens Gilad Toledano geführt. Gilad hat ein jugendliches Gesicht, aber weiße Haare und wirkt entrückt. Levy fragt, ob es so schlimm gewesen sei. Der Agent sagt, dass er nach all dem, was er gesehen hat, seine eigenen Kinder töten müsse, und überreicht seinen Vorgesetzten einen USP-Stick.

Levy und Shafir sitzen vor einem flackernden Big Screen. Shafir ist fassungslos. Levy muss weinen. Es muss durchklingen, dass es in Toledanos Zukunftsreport nicht einfach um das Schicksal Israels, sondern der Welt geht.

In einem Sitzungssaal von Miswa. Shafir und Levy sowie der greise Chef der Abteilung, ein Überlebender der Gründergeneration, Dr. Abiya Hirsch, geraten in Streit. Die Aktion, so Shafirs Standpunkt, würde die Existenz Israels gefährden. Aber, kontert Hirsch, sechs Millionen Juden und die Welt retten. Levy meint: Es gibt keine Garantie, dass es funktioniert und vielleicht löst es noch viel schlimmere Katastrophen aus. Geschichte bewegt sich nicht auf dem Highway voran. Abiya Hirsch nickt. Und trotzdem …

Ein Jeep, beladen mit israelischen Soldatinnen, fährt zu ihrem Einsatzort ins besetzte Gebiet. Darunter Shira Ben Alisha. Die Stimmung ist ausgelassen, die jungen Frauen singen patriotische Lieder.

An einer Berliner Bar sitzt Tzvi Honigman, neben ihm ein alkoholisierter Hipster. Der ist verzweifelt. Und fragt Tzvi, wie er je gutmachen kann, was seine Großeltern Tzvis Volk angetan haben. Er weiß, dass das kitschig klinge, aber das sei ihm echt ein Anliegen. Tzvi hat eine Idee. Er erteilt ihm Absolution, wenn er ihn auf ein Bier einlädt. Der Hipster: Was ächt jetzt? Sofort bestellt er mit erleichterter Miene zwei Biere.

In einem Büro von Miswa werden dem Team auf dem Screen die beiden Agent_innen präsentiert, die für die Operation Herodes ausgesucht wurden. Dazwischen Schnitte zu Shiras Einsatz und Tzvis Lotterleben in Berlin.

Kampfeinsatz: Die Frauenbrigade der Chasidah verfolgt palästinensische Jugendliche, die sie mit Steinen beworfen haben. Als die Chefin der Einheit einen der Jugendlichen misshandelt, kommt es zum Kampf zwischen ihr und Shira. Die Frauen richten ihre Waffen aufeinander. Shira drückt ab.

Der Hipster stellt Honigmann seine Exfreundin Elke vor, die Israelfan ist und schon zweimal in Tel Aviv war. Honigmann behandelt sie kühl und stachelt ihr schlechtes deutsches Gewissen an.

In der nächsten Szene sieht man sie schon bei heißem Sex. Vor dem Orgasmus wiederholt sie kurzatmig, wie leid es ihr tue … Klimax. Während sie kommt, wirft Tzvi einen selbstzfriedenen Blick über seine Schulter zur Kamera und zwinkert.

Im Büro von Miswa wird klar, dass sich das Team all die gezeigten Szenen ebenfalls angesehen haben. Ein Mitarbeiter fragt, von wo man diese tollen Aufnahmen hat. Oberst Shafir: Imbeddded journalism. Aha.

Shira Ben Alisha wird aus ihrer Zelle geholt und durch den Gefängnisgang geführt. Manche Insassen jubeln ihr zu, manche beschimpfen sie.

Die Szene setzt sich im Gang des Geheimdienstes fort. Shira geht neben Tzvi Honigmann, ihrem zukünftigen Arbeitskollegen. Er ist ihr auf Anhieb unsympathisch, kommt ihr unreif und primitiv vor. Natürlich versucht er sie anzumachen. Shira äußert sich verächtlich über die nach Berlin ausgewanderten Israelis, die ins »Deutsche Reich« zurückwollten. Ihren Spruch »Die Deutschen werden den Juden den Holocaust nie verzeihen« belohnt Tzvi mit schrillem Lachen und findet den Spruch »affenstark«. Muss er sofort wo anbringen. Das macht er auch prompt.

Bei der Besprechung mit dem Team von Miswa. Die anwesenden Männer lachen über Tzvis von Shira geklauten Spruch und finden Tzvi auf Anhieb super. Shiras kühle und zu kompetente Art schätzen sie nicht so sehr. Sehr autoritär erklärt ihnen Shira, dass die Aktion auf einem völlig idiotischen historischen Verständnis beruhe, auf der konservativen Überbewertung der Rolle von Einzelmenschen. Es sei für die Geschichte völlig egal, ob Hitler in der Kunstakademie aufgenommen wurde oder nicht oder ob er nie ins tötungsfähige Alter kommt. Hirsch, der die junge Frau sehr mag (und sie ihn), sagt ihr, dass sie sich dessen wohl bewusst seien, aber versuchen müsse man es; und es wäre bloß ein erster Vorstoß, dem weitere, durchdachtere Aktionen folgen könnten. Shira entschuldigt sich und zeigt sich dankbar, dass ihr diese unglaubliche Möglichkeit geboten wird, das Wien zur Zeit seines geistigen Höhepunktes zu besuchen. Allein dafür würde sie alle Nazi-Babys umbringen. Allgemeine Heiterkeit.

Die zweimonatige Akklimatisierung der beiden Agenten an diese vergangene Zeit wird in schnellen burlesken Stummfilmsequenzen gezeigt. Sie lernen Walzer tanzen, Korsetts tragen, sich angemessen bewegen, und besonders intensiv sind Tzvis Annäherungsversuche, aber auch Shiras Abwehr, die mit allen komischen Choreographien des frühen Stummfilms vorgeführt werden.

Der Tag X. Die Transformation erfolgt wie in frühen Low-Budget-Sci-Fi-Serien sehr simpel. Die Zeitreise-Station sieht so aus wie die billige Requisite eines kasachischen Science-Fiction-Films aus den 60er Jahren. Das glänzende Metall ist Alufolie, der Generator muss vom Wissenschaftsnerd mit der Hand angekurbelt werden. Sie sollten sich vom Ambiente nicht abschrecken lassen, sagt er, die Maschine sei perfekt, aber da das ganze Unternehmen top secret war, habe es kaum Förderungen gegeben.

Im Transformationstrichter versucht Tzvi Shira zu küssen.

Seine Ohrfeige empfängt er bereits im Wien von 1889. Lebendiges Treiben um sie herum, eine pulsierende fremde und doch vertraute Welt. Shira ist hingerissen, Tzvi voller Angst. Das Erstaunen beider erregt die Aufmerksamkeit der Passant_innen. Zvi muss sich hinsetzen. Kreislaufschwäche. Shira kümmert sich um ihn. Er gesteht ihr, dass ihn das alles ziemlich überfordert. Er kennt diese Zeit nur von spießigen steifen Schwarzweißfotos mit langer Belichtungszeit. Und – sie dürfe ihn jetzt nicht auslachen – er habe immer geglaubt, die Welt habe erst seit 1940 Farbe und würde sich erst seit dem Rock-n-Roll bewegen. Doch die Menschen hier wirken viel lebendiger und echter als im 21. Jahrhundert. Und das macht ihm Angst. Shira spricht ihm Mut zu und umarmt ihn kumpelhaft. Nun sind die beiden doch noch Freunde geworden.

Ben Alisha & Honigmann am Braunauer Hauptplatz. Es wiederholt sich die Szene vor dem Vorspann, nur detaillierter. Am Brunnenrand zieht sich Tzvi auf dem Pistolenkoffer zwei Straßen Koks rein. Nervös überqueren sie den Platz. Auch hier ziehen sie die Aufmerksamkeit der Passant_innen auf sich. Tzvi fragt, warum die alle so blöd glotzen. Alisha entgegnet, dass das normal sei, Oberösterreicher würden auch Leute aus Linz so anstarren. Zvi macht den Moonwalk, Alisha verpasst ihm einen Tritt. Zwei Bäuerinnen applaudieren.

Wie zuvor betreten sie die Wohnung der Hitlers. Sie stellen sich als k.u.k. Statistiker_innen von der Kronprinz Rudolf Stiftung vor, die Erhebungen zur Gesundheit von Kleinkindern in der gesamten Monarchie durchführten. Alisha drängt Klara Hitler aus dem Kinderzimmer hinaus. Tzvi zielt auf den kleinen Adolf. Der Schalldämpfer wackelt. Schweiß auf der Stirn. Frau Hitler schöpft Verdacht. Alisha stellt sich ihr in den Weg und zückt ihren Revolver. Es kommt zu einem sehr actionreichen Zweikampf zwischen den beiden Frauen, mit sehr schmerzhafter und unkonventioneller Choreographie. Mama Hitler kämpft so entschlossen, dass Alisha nie zur Anwendung ihrer Nahkampftechnik kommt. Es löst sich ein Schuss, der genau ins strahlenumrahmte Herz des Christusbildes trifft.

Tzvi legt die Pistole zur Seite. Aus seinem Mantel holt er ein anderes Gerät, von dem er ein Teil runterreißt. Es könnte ein Textmarker sein, aber auch eine Handgranate.

Alois Hitler betritt betrunken die Wohnung. Er trennt die beiden balgenden Frauen und schlägt – Macht der Gewohnheit – sofort seine Frau, worauf ihn Shira per Kickboxschlag mit dem Fuß quer durch die Wohnung katapultiert.

In der nächsten Einstellung grinst das Hitler-Baby mit aufgemaltem Hitlerbärtchen (Plakatsujet?). Tzvi schafft es noch immer nicht.

Der Kampf Shiras mit Familie Hitler ist unbarmherzig und voller unangenehmer Slapstikeinlagen (heißes Bügeleisen, Shira schießt sich versehentlich selbst ins Bein, ein anderer Schuss trifft das Bild des Kaisers in die Stirn, was Herrn Hitler noch wütender macht.) Eine neugotische Madonnenstatuette hüpft durch die Erschütterungen in Richtung Kante.

Hitler-Baby weint. Tzvi verzieht die Nase und sucht im Kasten nach Windeln.

Shira gelingt es, Klara Hitler bewusstlos zu schlagen. Durch die Schüsse sind Passanten aufmerksam geworden. Gendarme rücken an. Alois Hitler versucht, Shira zu erdrosseln. Da ergreift sie die Madonnenstatue und schlägt sie nach ihm.

Shira öffnet die Tür und erwischt Tzvi, wie er Klein-Adolf lächelnd in den Armen wiegt. Sie zielt mit der Pistole auf das Baby, Tzvi will sie hindern, und lässt dabei das Baby fallen, das hart aufschlägt. Besorgt kümmern sich beide darum, und blicken einander einen kurzen Moment an. So einfach lässt sich ein Adolf Hitler nicht umbringen. Das Agentenpärchen ergreift die Flucht. Klara Hitler richtet sich benommen auf. Alois Hitler lehnt tot an der Wand – die Madonnenstatue in der Stirn. (Kleiner Wunsch ans Christkind: Josef Hader als Alois und Nina Proll als Klara Hitler.)

Fünf Jahre später. Linz. Der kleine Hitler steht an einer Häuserecke und schaut sehr langsam. Tzvi steht als blinder Drehorgelspieler auf der anderen Seite und holt seine Schalldämpferpistole aus dem Kasten. Shira steht Schmiere und warnt ihn. Ein alter jüdischer Straßenverkäufer wankt schwer bepackt an ihnen vorbei. Ein junger Rowdy stößt ihn nieder und läuft davon. Der kleine Hitler hilft dem Juden hoch. Honigmann versteht die Welt nicht mehr. Was er nicht sieht: Um die Häuserecke wartet die ganze Gang, welcher Hitler den Juden ausliefert. Sie verprügeln ihn und stehlen seine Ware. Dem kleinen Hitler drücken sie eine Münze in die Hand. Hitler hat Mitleid mit dem Alten und fragt ihn, warum ihn die Burschen nicht mögen. Er hilft ihm ein weiteres Mal auf. Der alte Jude antwortet, es ist seine Schwäche, welche die Schwächlinge zur Stärke provoziert. Er lobt ihn, dass er ein guter Junge sei, und prophezeit, dass die Juden ihm noch zu großem Dank verpflichtet sein würden. 

Tel Aviv. Teamsitzung. Shira versucht ihre Auftraggeber davon zu überzeugen, die Tötung Hitlers fallen zu lassen und den Plan zu ändern. Tzvi sitzt daneben, pflichtet ihr bei und wiederholt, um auch etwas zu sagen zu haben, ihre Punkte. Es würde sich lohnen, den Jungen positiv zu beeinflussen. Man könne nicht wissen, wie sehr das die Geschichte beeinflusst, aber einen Versuch wäre es wert. Hirsch findet Shiras Vorschlag überlegenswert. Bekanntlich sei ja Hitlers Antisemitismus vor dem Ersten Weltkrieg nicht stark ausgeprägt gewesen, er habe zumindest die Juden noch nicht als minderwertig angesehen, der übliche basic antisemitism halt. Major Shafir ist strikt dagegen, Geld für Hitlerzähmung zu investieren, der Hund gehöre erschossen. Doch er kann sich gegen Hirsch nicht durchsetzen. Shira plädiert dafür, im Jahr 1907, also zur Zeit von Hitlers Übersiedelung nach Wien, wieder in die Vergangenheit einzusteigen. Das Team hält das für eine gute Idee, wundert sich aber, warum so spät, Hitler ist dann immerhin schon 18. Shira antwortet, weil sie keine Lust hat, zu dieser tollen Zeit in Linz zu arbeiten. Das leuchtet ein.

Wien 1907. Der 18-jährige Hitler wandert mit seiner Reisetasche über den Naschmarkt. Die Menschen dort aus allen Nationen verzerren sich in seiner Wahrnehmung zu Fratzen der Bedrohung. Ein junger orthodoxer Jude mit Pejes wirft ihm einen Kussmund zu. Hitler errötet und geht schneller. Ein bosnischer Soldat und eine serbische Bäuerin unterhalten sich lautstark. Hitler ist verzweifelt, er richtet sich an »deutsch« aussehende Passanten, doch die ignorieren ihn. Er wendet sich schüchtern an den bosnischen Soldaten. Die k.u.k. Uniform scheint ihm Vertrauen einzuflößen. Er fragt nach der Stumpergasse. Der Soldat antwortet auf Serbokroatisch, aber dermaßen lautstark und selbstbewusst, dass Hitler die Flucht ergreift. Untertitel zeigen aber, dass er durchaus höflich und hilfsbereit ist. Die serbische Bäuerin erklärt ihm, dass er doch »Dajtsch« mit dem jungen Herren reden soll. Der meint, dass er darauf hätte wetten können, dass der Kleine ein Studentlein, frisch aus Travnik oder Sarajevo sei. Er täusche sich bei Gesichtern nie. Hitler vertraut sich einem zwielichtigen Wiener Ganoven an, der ihm sofort die Tasche abnimmt. Auf dem Weg durch den sechsten Bezirk schimpft er über all den fremden Abschaum in Wien. Hitler fühlt sich bei ihm geborgen. In einer engen Seitengasse zückt er sein Messer und will Hitler berauben, da kommt eine große dicke resolute Tschechin zu Hilfe und prügelt den Angreifer mit teils tschechischen, teils böhmakelnden Flüchen davon. Zufällig ist es seine und seines Freund Kubizeks Vermieterin, Frau Zakey (»Jessus und Mária, ein so ein Zufall«).

Frau Zakeys großbusige mütterliche Herzlichkeit überfordert Hitler, zumal sie einem feindlichen Volksstamm angehört. Er bleibt distanziert, doch als ihm in der Wohnung sofort Rindsuppe aufgetischt wird und Powidldatsckerln, kommt Freude über sein Gesicht. Er lasst sich sogar von Frau Zakey ein Lätzchen in den gestärkten Kragen stecken. Später setzt sich Hitler ans Klavier und klimpert linkisch »Die Wacht am Rhein«. Da kommt Kubizek heim, die beiden begrüßen sich überschwänglich mit einer Strophe aus dem Lied. Sie schütteln einander die Hände wie zwei sehr ernste Erwachsene. Keine menschliche Regung in Hitlers Gesicht. »Es freut mich, Gustl, dich wiederzusehen.« »Gustl« ist lockerer, er fragt den Neuankömmling, was er als Erstes sehen mag. Wagner!

In einer Loge blickt Hitler wie gebannt auf »Meistersänger von Nürnberg«, während Kubizek längst eingeschlafen ist. Beim Applaus fällt ihm in der Loge gegenüber ein Pärchen auf. Es sind Tzvi und Shira. Sie lächelt, er nickt ihm zu. Hitler ist versteinert, denn diese Geste kann doch unmöglich einem Niemand wie ihm gegolten haben.

Die »Prügelszene« im zweiten Akt verwandelt sich plötzlich in ein Schreiduell im k.u.k. Reichsrat, wo die Deutschnationalen und die Christlich-Sozialen gegen die Tschechen hetzen und diese sich mit ihnen zu prügeln beginnen, alles zu Wagnerianischer Musik. Hitler und Kubizek sitzen in der Galerie und betrachten das Schauspiel amüsiert, Hitler mit verächtlicher Arroganz. Auf der gegenüberliegenden Seite befindet sich wieder das Pärchen aus der Loge. Lächeln und Verbeugung. Hitler erschrickt.

Auf dem Ring hält Hitler Kubizek wieder einmal Vorträge über die Sinnlosigkeit des Parlamentarismus und den Vielvölkerkerker der Habsburger Monarchie. Kubizek hängt ihm an den Lippen. Er blickt aber auch mit Sehnsucht auf ein Plakat der Buffalo Bill’s Wild West Schau. Als Hitler vorschlägt, am Abend in die »Lustige Witwe« zu gehen, protestiert Gustl. »Net scho’ wieda.« Dort seien sie doch schon ein Dutzend mal gewesen. Aber Graf Danilo und Hanna Glawari hätten völlig neue Darsteller_innen, sagt Hitler, und die sind der Presse zufolge sensationell.

In der Volksoper erkennt Hitler mit seinem geborgten Opernglas Shira und Tzvi in der Rolle des Danilo und der Hanna wieder. Mit gierigen Augen verschlingt er Shiras Performance, und singt leise den Text mit. Als beim dumm frauenfeindlichen Chor-Duell zwischen Hannas Bewerbern und ihr Shira ihre eigenen Zeilen dazu singt: »Darauf muß ich Ihnen entgegnen, / verhasst ist mir dieser Operettendreck / Verdirbt sie bei beim Mann den Charakter / Macht sie Frauen zum Ausstellungsstück / Doch wollt ihr durchaus kandidieren / Könnt als Kanonenfutter der Revolution ihr euch rehabilitier’n.« Niemand fällt die Textänderung auf außer dem Dirigenten und den Orchestermusikern, die etwas aus dem Takt kommen und Adolf Hitler, der kurz in seiner Loge an seiner Textsicherheit zweifelt.

Zurück in Tel Aviv. Tzvi gefällt es in Wien so gut, dass Shira alleine in Israel Bericht erstattet. Am Krankenbett von Abiya Hirsch, der im Sterben liegt. Sie hält seine Hände. Er warnt sie vor Oberst Shafir. Sollte er sterben, wird Shafir die Aktion abblasen und sie und Tzvi möglicherweise beseitigen lassen.

Hitler und Kubizek vor dem Haus von Dr. Rudolf Jahoda, eines reichen und angesehenen Chemikers. Hitler ziert sich. Drinnen große Gesellschaft. Kubizek, der Cellolehrer der jüngsten Jahoda-Tochter Klara, wird herzlich willkommen geheißen. Er stellt seinen Freund Adolf als einen der brillantesten Geister seiner Generation vor, er kenne den Schopenhauer auswendig. Hitler ist extrem schüchtern und wagt den feinen Leuten nicht ins Gesicht zu sehen. Neben den Jahodas stehen Zvi und Shira, die als armenisches Geschwisterpaar Adrian und Shira Arvanitian vorgestellt werden, die neue Sensation am Wiener Operettenhimmel. Auch Oskar Kokoschka, Egon Friedell und Adolf Loos sind anwesend. Hitler ist aufgeregt, der insgeheim verehrten Frau, die in den letzten Tagen so oft in seinem Leben erschienen ist, so nahe zu sein. Zu allem Überdruss wird er auch von Frau Jahoda dem deutschen Wirtschaftsmanager Paul Arnheim (aus Musils »Der Mann ohne Eigenschaften«) als Schopenhauer-Spezialist vorgestellt. Schira sucht die Gesellschaft Friedells, der sie schnell mit seinen frauenfeindlichen, pseudowissenschaftlichen Reflexionen nervt. Arnheim macht sich einen Spaß daraus, den stotternden Jungen als Bluffer zu entlarven. Da befreit ihn Shira aus der Misere und verwickelt ihn in ein Gespräch über Karl May. Spätestens da ist es um Adolf Hitler geschehen. Sie und ihr Bruder kämen aus der osmanischen Provinz Palästina, und sie könne bestätigen, dass alle Vorwürfe gegenüber Karl May Unfug sind, denn er schildere die orientalischen Verhältnisse sehr realistisch.

In der Zwischenzeit charmiert Tzvi Honigmann die Damenwelt und spielt am Flügel John Lennons »All We Are Saying Is Give Peace a Chance«. Zwei Sängerinnen singen mit unerträglichen Sopran den Refrain vom Blatt.

Shira erklärt Adolf, dass Karl May ein großer Pazifist sei, der sich gemeinsam mit Bertha von Suttner für den Weltfrieden engagiere.

Tzvi singt gemeinsam mit einer Dame »Satisfaction«. Da tritt ein k.u.k. Offizier an ihn heran, mit einem selbstgefällig vorgetragenen Wortwitz: Es tut ihm ausgesprochen leid, dass ihm seine Gattin die gewünschte Satisfaktion nicht geben kann, doch bevor dieser Fall eintritt, kann er aushelfen. Dann ohrfeigt er ihn mit seinen Handschuhen. Honigmann missversteht die Situation, und glaubt in seiner Eitelkeit, dass der Offizier eifersüchtig auf seine eigene Gattin ist und auf ihn steht. So geht das Missverständnis über das Wort »Satisfaktion« noch einige Weile hin und her, bis Tzvi dem immer wütender werdenden Offizier erklärt, dass er sich sehr geschmeichelt fühle, aber nicht homosexuell sei. Da ohrfeigt ihn der Offizier mit der bloßen Hand. – »Ich will Sie totschießen, Sie Hundsvott!« – »Aber sagen Sie das doch gleich.« Man vereinbart den Ort des Duells. Der Offizier schlägt die Hacken zusammen. »Oberstleutnant Friedrich Mannhart steht Ihnen zu Verfügung.« – »Moooment, Sind die der Friedrich Mannhart, der 1943 das Konzentrationslager Katowice geleitet hat?« – »Wie bitte?« – »Es wird mir eine Ehre sein, den Hohlraum, in dem bei anderen Menschen ein Herzen pocht, mit Blei zu füllen.« Die Anwesenden applaudieren, auch Peter Altenberg. Tzvi verneigt sich, aber setzt eine melancholische Miene auf. Altenberg legt ihm die Hand auf die Schulter: »Mein Guter, ich bin auf ihrer Seite, und doch hat dieser Operettenleutnant mit dem Stolz eines Kommißstieferls den einzigen Grund zum Duelle gewählt, den ich mir einreden lass’. Wenn man in Bezug auf eine Frau in seinem Lebensglücke so sehr geschädigt wurde, dass man unbedingt zum Mörder und nachher zum Selbstmörder werden will. Da hat man im Duell die Chance, den Kerl umzubringen und nach vollendeter Sühne sogar ganz fröhlich am Leben zu bleiben und zu sagen: Sixt es, Annerl, Herzerl, Mauserl, jetzt wirst net so bald wieder dich einlassen. Einer von den Herren Kavaliers ist schon kalt geworden trotz deiner heißen Liebe.«[1] Altenberg gluckst vor Lachen. Tzvi meint, er ist es, der in seinem Lebensglück von einer Frau geschädigt ist. Denn er habe gerade einen seiner besten Auftritte gehabt. Und immer wenn einem Hohlkopf wie ihm mal was Geistreiches einfalle, sei Shira nicht da.

Shira ist mit Hitler in einen Disput geraten über Karl Mays Pazifismus. Hitler doziert ihr seine Philosophie der Schicksals der Unterwerfung des Schwächeren. Er plappert, sagt sie, nur Nietzsche nach. Hitler wird wütend. Nietzsche ist der schlimmste Feind des deutschen Volkes gewesen, ein Judenliebling und Decadent. Und überhaupt könne eine Frau mit ihren mütterlichen und selbstgefälligen Neigungen nicht die Aufopferung des Mannes im Kampfe für sein Volk verstehen. In diesem Augenblick hat Shira Hitler hochgehoben und mit einem Schulterwurf auf Jahodas Perserteppich geworfen. Er ist bewusstlos. Tzvi kommt hinzu. Shira: »Mein Gott, ich habe Hitler wehgetan!« Tzvi (pathetisch): »Warum ausgerechnet ihm?« Hitler erwacht mit strahlendem Lächeln. »Wie geht es Ihnen!« – »Als wär ich im Himmel.«

Kubizek und Hitler, frisch verliebt, auf dem Heimweg. Diese Koloratursopranistin, sagt er, sei das ideale Weib. Und sie habe ihn auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Kubizek meint, dass die Jahodas für Juden doch sehr kultivierte, edle Menschen gewesen seien. Ach was, fährt ihn Hitler an, Juden, Deutsche, Slawen, das ist doch alles der gleiche Dreck, die Wiege des Ariertums liege doch – wie jeder weiß – bei den Armeniern. Und zumal es viele kultivierte Juden gibt, an denen der Deutsche sich ein Beispiel nehmen kann, wird der Jude doch alles versuchen, die Armenier auszurotten.

Hitlers Traum: Hitler träumt sich an den Strand von Palästina. Surreale morgenländische Filmkulissen. Die schone Shira Arvanitian in sexy Bauchtänzerinnenkostüm à la Mata Hari an einen Marterpfahl gefesselt. Jüdische Männer umringen sie lechzend, ein Rabbi wetzt das Messer. Der Traum übertreibt alle antisemitischen Stereotype auf ekelhafte Weise ins Extrem. Die Juden sind teils orthodoxe, teils moderne sabbbernde, fantasiejiddische und hebräische Wörter mit vielen CH-Lauten zischende Gnome, käferhaft, verwachsen, bösartig, unmännlich, hinterhältig. Sie tanzen um Shira chassidische Kreistänze und befingern sie. Ihre Anführer, darunter auch ein intellektuell aussehender Mann mit Brille und wirr abstehenden Haaren, planen die Weltverschwörung, die mit dem Blut dieser arischen Armenierin besiegelt werden muss. Böse kichernd schmieden sie ihre Pläne, eine Stadt im fruchtbaren Palästina mit Häusern ohne Schmuck und Dächern, die Ausrottung der Araber und der germanischen Rasse. Die Entwurzelung aller Völker, die Bastardisierung der Weltkultur. Die Zerstörung von Ehre, Männlichkeit, Treue. »Und dann, majne Brrieda, errichten wir die Weljtherrschaft von de Kapital.« Und ein anderer fügt mit dämonischen Grinsen hinzu: »Kapitalismus oyf der ajnen, Sozialismus oyf der anderen Sajte. Denn nicht gejt so gut seysammen als wia a Kapitalismele ind a Sozialismele.« Laut »Kapitalismele und Sozialismele« skandierend, führen die beiden einen Freudentanz auf, die Klarinette heult dazu und die versammelten Ritualmörder stimmen mit ihren Oj-joj-jojs ein. Plötzlich ein Schuss. Adolf Hitler in Westernkostüm und mit blondem Spitzbart, mit Fez und Turban tritt hervor. Wie fauchende Vampire weichen die Juden zurück. »Kara Ben Nemsi Effendi genannt Old Shatterhand.« Kara Ben Nemsi hebt zu einer Rede an. Da schlägt ihm von hinten ein Gnom, der einem anderen auf den Schultern sitzt, mit der Menora übern Schädel. Andere springen ihm auf den Rücken. »Hättst geglaubt, dass a Jid von vorne kämpft, du dummer Goj«, sagt der jüdische Sozialistenchef und beißt ihm mit zugespitzten Zähnen ins Ohr. Zu epischer Musik (»Lawrence of Arabia«) kommen arabische Nomadenkrieger die Wüstendünen auf Dromedaren oder Pferden herabgeritten (Animation?). Sie treiben die Juden ins Meer. Sie sind groß gewachsen und haben dunkel geschminkte Lider. »Sei uns willkommen, Kara Ben Nemsi Effendi Abu Abdul Schickelgruber al Krumau Al Kamp, du tapferster der Söhne Teutonias, wie können wir dir je danken, dass du als Einziger gegen die ehrlosen Eindringlinge uns zur Seite standest«, spricht ihn der Scheich an. Hitler fordert die Hand der schönen Armenierin Shira. »Ach lass die Ungläubige, wir kennen schönere Belohnungen.« Der Beduinenführer umarmt ihn und gibt ihm einen leidenschaftlichen Zungenkuss, andere schöne Krieger schmiegen sich an seinen Körper und versuchen seinen Gürtel zu lösen. Hitler wälzt sich stöhnend im Bett hin und her. Die restlichen Beduinenmänner trillern und feuern ihre Musketen ab. Filmriss. Hitler springt hoch und schreit laut »Schira«.

Ein Schuss fällt. Duell. Leutnant Mannhart hat seinen Schuss abgefeuert und verfehlt. Tzvi will ihn dazu überreden, den Konflikt friedlich beizulegen, da ergeht Hartmann in eine rassistische Tirade und wird durch einen Schuss durch sein Brillenglas zum Schweigen gebracht.

Das nächste Duell als Stummfilm. Der Sekundant der Gegenseite, ein älterer Spießer mit weißem Backenbart, akzeptiert Shira nicht als Sekundantin von Tzvi. Na warte du. Sie will ihm den Backenbart ausreißen, er läuft schreiend davon. Tzvi und sein Gegner stehen sich ratlos gegenüber und zucken mit den Achseln.

Zurück im Normalfilm. Auf dem Heimweg vom missglückten Duell weist Tzvi Shira sehr vorsichtig darauf hin, dass sie eine mächtige Gewaltneurose hat. Aber hallo! Shira ist sich unsicher. Sie müsse das auf jeden Fall behandeln lassen. Wie wäre es mit Dr. Freud?

Shira auf der Couch bei Dr. Freud. Shira liegt auf der Couch und analysiert sich selber. Freud bittet sie, die Diagnose doch gefällig einem Fachmann zu überlassen. Sie leide an einer schweren narzisstischen Neurose, weil sie völlig unzugänglich für männliches Begehren sei und ihr Widerstand gegen die Gegenübertragung, also dass er sich soeben in sie verliebt hat, bestätige diese für schöne Damen der Gesellschaft symptomatische Störung. Bloß die Mutterrolle könne, also eine funktionierende Objektbeziehung, sie von ihrem übersteigerten Selbtbezug heilen[2]. Ihr krankhafter Idealismus sei nur eine scheinbar selbstlose Maske für Grandiositätsfantasien. Shira fragt ihn, ob es auch zur Therapie gehöre, dass er ihren Oberschenkel streichelt.

Shira verlasst die Ordination, die Sprechstundenhilfe fragt sie nach einem Termin, Dr. Freud ihr mit blutiger Nase ins Stiegenhaus nach. »Sie sind völlig meschugge.« Und: »Sie sind sich wohl zu gut für uns. Mit einem Goj wird sich Ihr Problem auch nicht lösen.«

Hitler zeigt Shira und Tzvi seine Künstlermappe. Er ist verzweifelt, weil er soeben von der Kunstakademie abgelehnt wurde. Aus Angst vor Kritik muss er zuerst mal das moderne Kunstverständnis schlechtreden. Und Shira muss Tzvi wieder einmal einen dezenten Tritt verpassen, damit der die kitschigen Motive und den dilettantischen Realismus nicht verspottet. Die letzten Bilder will er nicht herzeigen. Beim Versuch, die Mappe wegzuziehen, fällt eines der Bilder zu Boden, es zeigt eine halbnackte Walküre mit großen Brüsten, die eindeutig Shiras Gesichtszüge trägt. Shira ist gar nicht begeistert. Hitler läuft hochrot davon.

Großes Treffen der Deutschnationalen und Antisemiten auf einer Praterwiese. Feierliches Ambiente. Rot-schwarz-goldene Fahnen. Eine Art Ökumene, um in Hinkunft im Kampf gegen die Slawen, vor allem aber die Juden, besser kooperieren zu können. Die gesamte antisemitische Prominenz ist anwesend, die Christlich-Sozialen unter Karl Lueger, die Alldeutschen mit Georg von Schönerer sowie Franz Stein, Carl Hermann Wolf und viele korporierte Studenten. Im Publikum Adolf Hitler, aufgrund seiner Ablehnung an der Akademie besonders anfällig für Populismus. Die Referenten versuchen sich unter Johlen und Buhrufen des Publikums als die jeweils radikaleren Antisemiten darzustellen. Am harmlosesten wirkt Wolf, der die bürgerlichen assimilierten Juden von der Hetze ausnehmen will, da sich die doch zum Deutschtume bekennen und ein notwendiges demographisches Gegengewicht zu den Slawen darstellen. Seine Rede geht in Buhrufen unter. Lueger redet blendend und ruft in Anspielungen zur Vernichtung der Juden auf. Dabei flirtet er mit Shira, die ihm schon lange aufgefallen ist. Tzvi scheint begeistert von ihm zu sein, sodass ihm Shira wieder mal gegen die Schulter stoßen muss. Am radikalsten hetzt Schönerer, und als er gegen die größte Sünde wider die Schöpfung, die schlimmste Form der Entartung, nämlich sozialistische jüdische Flintenweiber und Blaustrümpfe hetzt, deren Ziel es ist, die Mannbarkeit der Deutschen durch Weiberkram und sexuelle Schamlosigkeit zu degenerieren, platzt Shira der Kragen. Sie springt aufs Podest und erlegt Schönerer mit einem Fußschlag. Ein paar der Bodyguards schmeißt sie von der Bühne. Dann reißt sie sich den Rock von den Beinen, um besser kämpfen zu können, was die Wehrkraft der Protonazis ziemlich zersetzt, denn die sind gleichzeitig wütend & angemacht. Mit martial-arts-haften Luftsaltos fliegt sie von der Bühne, und in einer wahnwitzigen Can-Can-Choreographie schlägt sie mit Fußschlägen den sich seriell hintereinander Monokel aufsetzenden Herren der ersten Reihe gegen die Stirn. Prügelorgie. Tzvi schaut, anstatt ihr zu helfen, ebenso gebannt zu wie Adolf. Lueger, der alte geile Bock, ist extrem erotisiert, er assistiert Shira sogar, indem er einige ihrer Angreifer mit dem Bürgermeisterzepter auf den Kopf schlägt. Als er sie in hemmungslosen Überschwang küssen will, wird er per Schulterwurf gegen die Erdbeerbowle geschleudert. Als er flüchten will, wird er von ihr an der goldenen Bürgermeisterkette zurückgezerrt, denn die Corpsstudenten beginnen sie mit gezückten Säbeln zu attackieren. Es gelingt ihr, sie mit der Kette in Schach zu halten und einige zu entwaffnen. Tzvi merkt Hitlers Begeisterung und beginnt, etwas eifersüchtig, ins Geschehen einzugreifen. Mit zwei Pistolen verpasst er einem Dutzend Studenten Streifschüsse an der Wange (Schmisse). Doch dann geht ihm die Munition aus. Er wird von Deutschnationalen umringt, wirft seine Pistolen nach ihnen, geht heulend auf die Knie und betet den Kaddish. Einige Antisemiten versuchen Polizeiverstärkung zu holen, doch werden sie von Indianerpfeilen getroffen. Und plötzlich: Schüsse. Tzvis Angreifer werden einer nach dem anderen niedergestreckt. Die Kunstschützin Annie Oakley reitet rückwärts auf einem galoppierenden Pferd sitzend, ihre Ziele durch einen Spiegel visierend heran, und feuert. Prärieindianer reiten heulend und Pfeile schießend Attacke. Kaukasische Reiter springen von ihren Pferden und verprügeln Antisemiten mit kunstvollen Tanzchoreographien. Der fliehende Lueger wird mit einem Lasso gefangen, und von einem richtigen Texas-Cowboy wie ein Rind gefesselt und bekommt hernach das zischende Brandzeichen auf die Stirn: ein Hakenkreuz. Shira und Adolf schreien wie aus einer Kehle: »Buffalo Bill«. Buffalo Bill reitet heran, majestätisch, weiße Mähne, die US-Flagge in der Hand. Hinter ihm postieren sich geschmückte Elefanten mit spärlich bekleideten Revue-Damen darauf. Buffalo Bill zieht ritterlich vor Shira den Hut, Shira verbeugt sich keck-galant. Eine vorbeiziehende Zirkuskapelle spielt »Die Internationale«.

Shira und Tzvi landen betrunken in der Wohnung und tanzen zu israelischem Pop. Da kommt Hitler. Er versteht die Welt nicht mehr. Das erste Mal versucht Shira ihm seine völkische und rassistische Weltsicht zu korrigieren. Tzvi kommentiert das nur sarkastisch. Irgendwann in der Hitze der Diskussion gesteht Shira Hitler, eine Jüdin zu sein. Verzweifelt läuft Hitler in die Nacht hinaus. (DIESE SZENE IST ALS MUSTERSZENE BEIGELEGT)

Shira und Tzvi sprechen als Agenten der Familie Jahoda in der Kunstakademie bei Professor Christian Griepenkerl vor. Er ist Leiter der Prüfungskommission. Tzvi entschuldigt sich für Adolfs reaktionären Kunstgeschmack. Und tritt damit ins Fettnäpfchen. Denn er wurde aus anderen Gründen abgelehnt. Im Gegenteil meint Griepenkerl, dass Hitler ein talentierter Künstler sei. Er habe ihn bloß nicht genommen, weil er ein gottverdammter Judenbengel ist. Das habe er sofort an seiner Physiognomie erkannt. Und dem verschlagenen Blick. Shira meint, die Familie Jahoda würde wirklich einiges springen lassen. Professor Griepenkerl mimt den Unbestechlichen und lehnt strikt ab. Er bedauert, warum so rassereine Menschen wie Tzvi und Shira sich mit dem Judengesindel einließen. Auf die Frage, warum er sie nicht für jüdisch halte, preist der Professor Tzvis edles klassisches Gesicht der mediterranen Rasse. Bei Shira diagnostiziert er einen etwas ungünstigen slawischen Einschlag. Shira, in ihrer Eitelkeit gekränkt, bietet ihm eine Nacht mit ihr an, wenn er Hitler aufnimmt. Tzvi ist perplex. Griepenkerl bedankt sich für dieses Angebot, gibt aber zu bedenken, dass, wenn er auf so etwas einginge, er eher Tzvi vorziehen würde. Beide starren diesen an. Tzvi ist fassungslos. Shira sagt ihm auf Ivrit, dass er es für Israel tun würde. (im Hintergrund: die Hatikvah, die israelische Hymne)

In Griepenkerls Boudoir. Tzvi betet den Kaddish in Unterwäsche. Griepenkerl kommt in gestepptem Schlafrock mit Champagner und zwei Gläsern und zwirbelt sich mit lustvoller Erwartung den Bart.

Stummfilm. Lustlos bietet Tzvi Fellatio an, der Professor deutet, dass er es lieber andersrum hätte, da ihn besonders erregt, wenn er den Beweis von Tzvis Lust im Mund hat. Tzvi ist total verzweifelt, da naht Entsatz, hinter dem Paravent taucht Shira auf, Tzvi bettelt mit den Händen. »Aber nur für Israel«. Tzvi salutiert. Shira legt einen Striptease hin. Tzvi wirft ihr Küsse zu. Shira zeigt ihm die Zunge, scheint die für sie unverfängliche Situation aber genießen. Tzvi kommt. Doch der Professor hat noch nicht genug. Er will nun eindringen. Alberne Verfolgungsjagd. Shira hat eine Idee. Es dauert aber, bis sie diese Idee Tzvi ins Ohr flüstern kann. Tzvi schlägt Griepenkerl vor, ihn zu penetrieren. Erfreut geht dieser in Stellung. Hinter dem Paravent kommt Shira als Golem hervor mit Strap ons. Man sieht ihren bedrohlichen Schatten Griepenkerls Hündchentorso bedecken und ihre Hände sich in diesen krallen. Griepenkerl schreit (Jugendstil-Insert): Odin!

Hitler läuft in Lederhosen und Strickjoppe wie ein ausgelassener Junge aus der Akademie. Er wurde aufgenommen. Tzvi ist stinksauer. Professor Griepenkerl hat ihn sogar zu sich nachhause eingeladen. Tzvi schimpft Hitler einen Nazi. Hitler beteuert, kein Nazi zu sein. Während des Spaziergangs fragt Hitler, was das überhaupt ist, ein Nazi. Tzvi fährt ihm durch die Haare. Das wirst du noch früh genug erfahren, alter Indianer. Shira greift sich an den Kopf.

Lustige Schnitte fröhlicher Harmonie. Tzvi und Shira und Adolf in der Hochschaubahn. Vielleicht Schwarz-Weiß-Referenzen zu »Jules & Jim«: Shira Tellermütze und Pullover und aufgemalter Bart. Tzvi malt Hitler einen Hitlerbart auf.

Feier im Gastgarten eines Praterwirtshauses. Altenberg kommt mit seiner neuen Flamme, der Ashanti-Frau Akolé, welche in der »Völkerschau« arbeitet. Hitler ist entsetzt, lässt sich aber nichts anmerken. Altenberg ergeht sich in blumigen Würdigungen von Shiras und Akolés Schönheit (»der Apfel des Paris«). Alle trinken sie einen Toast auf Hitler, dessen Aufnahme in die Kunstakademie einen Scheideweg für die Weltgeschichte bedeutet. Ja, die Rettung der Menschheit, fügt Shira hinzu. Peter Altenberg besteht darauf, die nächste Runde zu bezahlen und schnorrt Akolé um Geld an, die ihm genervt ein paar Kronen gibt. Tzvi macht Akolé schöne Augen, diese erwidert sein Flirten, was Altenberg erbost. (»Wenn Sie mir diesen braunen Engel nehmen, bohren Sie mir ein Loch ins Herzen, das sich nur mit dem Blei Ihrer Duellpistole füllen lässt.«) Shira findet schnell heraus, dass Akolé Amhara spricht, eine Sprache, die sie in Israel gelernt hat. Zum Erstaunen der beiden Männer führen die beiden Frauen ein herzliches Gespräch in dieser ihnen fremden Sprache. Akolé kommt aus Äthiopien, keiner der Afrikaner in der Völkerschau ist wirklich Ashanti. Die beiden unterhalten sich über den Rassismus der Besucher. Auch fragt Shira sie, wie der Peter sie behandelt. Er sei lustig und komisch, sagt Akolé, aber sehr geizig, und ein junger, wohlhabender Mann wäre ihr lieber.

Der Zahlkellner, ein riesiger Tscheche mit hochgezwirbelten Bart, meint, der »Schimpanse« habe in ihrem »Etablissmen« nichts zu suchen. Bevor Altenberg noch sich empören kann, packt der bislang schweigsame Hitler die Gelegenheit beim Schopf, springt hoch und herrscht ihn an: »Was unterstehst du dich, slawischer Untermensch, knie nieder vor der Negerin, die in ihrem Lande eine Königin ist, wo du nur ihr Sklave wärst.« Schon wird er durch einen Schlag niedergestreckt. Dann ist Altenberg an der Reihe, der den Tschechen anbrüllt, dass er soeben einen der hoffnungsvollsten Künstler, einen Titan, der dazu auserkoren wurde, die Welt aus den Angeln zu heben, niedergestreckt habe. Und es ergeht ihm nicht anders. Zvi steht auf und fordert den Kellner zum Duell. »Das kannst haben« – er nimmt die Verfolgung auf. Tzvi bittet Shira um Hilfe. Hitler, der gerne für seine ritterliche Tat belohnt worden wäre, fragt Shira, warum sie ihm nicht geholfen hat. Sie sagt ihm, dass er einiges noch immer nicht verstanden habe.

Shira nimmt Urlaub und vertraut Adi seiner Obhut an. Es wird endlich Zeit, nach Berlin zu fahren. Tzvi ist erstaunt. Hat sie nicht immer das Faible der Israelis für Berlin verspottet? Sie hat, entgegnet Shira, nur einen Grund, und der heißt Rosa Luxemburg.

Berlin. Rosa Luxemburg hält eine Rede vor den Genoss_innen der Sozialdemokratischen Partei, wettert gegen zu leichtfertige Kompromisse mit den Konzernen und den Institutionen des Reichs. Sie stößt auf zaghaften Protest der Delegierten und ein paar frauenfeindliche Meldungen. Da erhebt sich Shira, stellt sich als Abgeordnete aus Wien vor, und assistiert der Luxemburg mit einem rhetorisch brillantem Co-Referat. Am Anfang ist Rosa L. begeistert von dieser unerwarteten Schützenhilfe, irgendwann packt sie aber ein bisschen der Neid, weil diese junge und attraktive Frau irgendwie ihre eigenen Standpunkte referiert. Nur besser. Es sind nämlich ungefähr Reden, die Rosa Luxemburg noch nicht gehalten hat. Am Heimweg läuft ihr Shira nach, Luxemburg umarmt sie herzlich. Arm in Arm marschieren sie weiter. Normalerweise, sagt Rosa, schickten sie aus Wien nur Pfeifen. Aber das sind auch immer Männer. Und: Sie beide sind wohl die letzten Männer in der Sozialdemokratie[3].

Tanzlokal. Shira ist im siebenten Himmel. In einem Tanzrestaurant trinken sie Champagner und rauchen, Shira ist beschwipst und starrt Rosa L. begeistert an. Die Kapelle spielt. Ein graumelierter Südamerikaner fordert Shira zum Tango auf. Rosa drängt sie, das Angebot anzunehmen. Während des Tanzes kann Shira die Augen nicht von Luxemburg lassen, die ihr liebevoll und etwas melancholisch, möglicherweise ihrer Behinderung und ihrer schwindenden Jugend bewusst, zulächelt. Ihr Tanguero flüstert Shira ins Ohr: »Eres una mujer increíblemente hermosa.« Und er bietet ihr an, mit ihr nach Paraguay zu kommen, sie wird über 8000 Hektar Land und 500 Seelen gebieten. Shira löst sich desinteressiert von ihrem Partner und geht entschlossen auf Rosa zu und fordert sie zum Tanz auf. Die ziert sich, weist auf ihren verkrüppelten Fuß hin und wird von Shira sanft auf die Tanzfläche gezogen. Die Band spielt einen Walzer zu dem jiddischen Lied Tumbalalaika. Elegant schweben sie über die Tanzfläche, Rosa singt leise den Text der letzten Strophe mit. Die Kamera schwenkt auf einen Tisch voll versteinerter preußischer Offiziere. Sie wirken irreal, wie Figuren eines Georges-Grozs-Bildes, als Vorboten der kommenden Schrecken.

Rosa und Shira schleichen sich in eine Wohnung, Rosa heißt sie leise sein. Sie schenkt Wodka ein und legt einen Schellack auf. Wieder rauchen sie. Shira überreicht ihr ein Geschenk, ein Aquarell von einem jungen Künstler namens Adolf Hitler, ein Bild einer Kohlmeise mit fettem Bauch. Kohlmeisen sind Rosas Lieblingsvögel und sie findet das Bild wunderschön und prophezeit dem Künstler eine große Zukunft. Als Shira merkt, dass sie das nicht sarkastisch gemeint hat, muss sie unkontrolliert lachen. Sie nimmt Rosa das Bild aus der Hand, lässt es fallen und versucht sie auf den Mund zu küssen. Rosa wehrt sie lächelnd ab. Shira lässt nicht ab von ihr, Rosa reißt sich los und stößt sie sanft weg. »Kindchen, ich will das nicht.« Shira setzt sich auf den Bettrand und hält ihre Tränen zurück. Rosa fragt sie barsch: »So, Kindchen, und jetzt sagste mir mal, wer du wirklich bist. Du weißt mir um ’ne Spur zu viel. Hat dich der zaristische Geheimdienst auf mich angesetzt?« Resigniert gesteht Shira, vom israelischen Geheimdienst zu sein. Rosa L. entgegnet, wenn sie vom Geheimdienst eines Landes namens Israel sei, dann dann sei sie selbst die Präsidentin der sozialistischen Republik Gallia cisalpina. Shira kann sie davon überzeugen, dass sie aus der Zukunft stammt. Rosa L. ist erstaunlich wenig überrascht, auch nicht, als Shira ihren Laptop zückt und ihn hochfährt.

Am nächsten Morgen. Kohlmeisen zwitschern auf den Zweigen. Rosa L. und Shira hocken am Bettrand, nach einer ganzen Nacht YouTube-Videos zur Geschichte des 20. Jahrhunderts. Rosa L. massiert sich den Nacken. »Ich kann nicht mehr.« Doch sie wendet ein, dass sich nach dem Zweiten Weltkrieg doch einiges zum Besseren wendet. Shira sagt, dass das nur bis 1995 war, der Rest komme ein anderes Mal. Da beginnt sie zu weinen, Rosa L. nimmt sie in ihre Arme und tröstet sie. Etwas unsicher fragt sie, ob sie diesen – wie hieß er doch gleich – Til Schwaiger noch mal sehen könnte. Shira: »Igitt.«

Wien. Soap-Opera-Szene (Parodie von Soap-Opera-Witzigkeit). Tzvi hat sich durch Liebschaften und heimliche Wetten auf seine Duelle einen kleinen Ringstraßensalon erstanden. Hitler hat sich in der Zwischenzeit eine halblange Künstlermähne im Stil Markarts wachsen lassen, trägt ein Barrett und hat sich einen lockeren Künstlerspruch zugelegt. Seinen Malstil versucht er zu modernisieren: Eine erbärmliche pointillistische Farbkleckserei, die Klimts Stil imitieren will. Tzvi kommt gerade von seinem Duell zurück. »Hallo. Tzvi«. »Hi, Adi« »Wer war’s diesmal?« »Ein kaiserlich königlicher Assekuranz-Direktor, gekaufter Baron von Bubna-Lititz[4], seine Frau hat mich vorsorglich in sein Testament geschmuggelt.« Adi: »Gimmi Five.« Die beiden fidelen Junggesellen geben einander Five. Tzvi ist entsetzt, als er Hitlers Bild sieht: »What the fuck …« Hitler entschuldigt sich, er versuche mit diesem Stil bloß, Griepenkerls Annäherungen abzuwehren.

Sofort zerrt ihn Tzvi zu seinem guten Freund Gustl Klimt. Im Atelier tummeln sich nackte und halbnackte Modelle, Adolf wendet den Blick von ihnen ab. Klimt ist ein ruppiger fluchender Prolo, der seine Modelle wie ein Obermacho herumkommandiert, die kontern frech zurück und zeigen ihm die Zunge. Alle begrüßen Tzvi herzlich mit Küsschen, auch Klimt. Die Models glauben, dass Hitler Egon Schiele ist, nachdem Tzvi ihn als jungen Kollegen vorgestellt hat. Klimt umarmt Hitler herzlich. »Ja Grüß dich, Egon, mein lieber Freund, zwei Monate …« Tzvi klärt das Missverständnis auf. Klimt ist es peinlich, er erklärt sich die Verwechslung damit, dass alle Künstler, die nach ihm kämen, einander so ähneln würden. Er befiehlt einem seiner Modelle Limonade einzuschenken. Die dunkelhaarige Gisi ladet Hitler ein, ihm in die Küche zu folgen. Nach einer Weile läuft er schreiend hinaus und versteckt sich hinter Tzvi. Gisi folgt mit offenem Negligé, das sie nachlässig verschließt. »Der junge Maunn steht si’s net auf mi.« Hitler sei in der Meisterklasse Griepenkerl, beschwichtigt Zvi. »So eine Potiphar«, stottert Hitler entsetzt. »So ein Trottel«, erwidert Klimt. Potiphar aus dem Alten Testament ist ein Mann, dieser Alois Hüttner meint wohl die Frau des Potiphar[5]. Er redet so, als hätte er seine Halbbildung in Linz erworben.

Tzvi reicht es endgültig. Er zerrt Hitler am Ohr ins nächste Bordell. Und sperrt ihn mit der jüdischen Prostituierten Olja aus Lemberg ein. Er dürfe erst wieder raus, wenn er ein Mann sei. In Tzvis Meinung wäre Hitler nicht Hitler geworden, wenn er ein »normales« Sexualleben gehabt hätte. Olja hat ein blasses rundes Gesicht, ist ein bisschen korpulent, blickt melancholisch und entrückt (Morphium?) und lächelt ständig. Hitler nimmt so weit von ihr Abstand wie möglich. Sie weiß genau, in welchem Dilemma er steckt. Und beschließt, mit ihm wie zu einem Kind, einem Brüderchen zu sein. Denn sie sind beide etwa gleich alt. Sie weiß, dass Hitler angewidert von den Sexarbeiterinnen ist, und dass sie ihm nichts vormachen kann. Sie erzählt ihm ihre Geschichte und von den unglücklichen Bedingungen ihrer Migration, leise und lächelnd wie ein Mensch, für den es ohnehin keine Hoffnung gibt. Als sie sein Mitleid spürt, zischt sie ihn an, dass er sich sein dieses in den Arsch stecken könne, und bekommt einen Hustkrampf. Hitler sagt, dass sich ein deutsches Mädchen für so etwas nie hergeben würde. Olja geht zur Tür und ruft Herta aus Mistelbach, Marie aus Herrmannstadt, Wetty aus Schärding und die Waly aus dem Dunkelsteinerwald zu sich. Da habe er seine deutschen Frauen. Hitler ist peinlich berührt. Es entwickelt sich ein nettes Gespräch zwischen den Lustarbeiterinnen und dem jungen Mann, der langsam Vertrauen gewinnt. Es ehrt ihn, dass sie ihm ihre Geheimnisse anvertrauen und irgendwie befriedigt es seinen heimlichen Voyeurismus. Ein Wunder: Er lässt sich sogar von Olja Rotwein einschenken. Aus dem Nebenzimmer dringen Lustschreien der Frau, mit der Tzvi sich vergnügt. Für Hitler dann doch der Beweis der Triebhaftigkeit und Primitivität des weiblichen Geschlechts. Olja und Wetty erklären ihm, dass es Nifta nur vorspielt, weil der Kunde dann wiederkommt.

Als Tzvi sich seinen gestärkten Kragen befestigt, sieht er im Salon Hitler beschwipst Lieder aus der »Lustigen Witwe« krächzen, während Olja etwas dilettantisch in die Pianotasten haut.

Rosa L. und Shira auf einer Berliner Parkbank. Rosa L. wusste schon lange, dass der nächste große Krieg kommen wird. Der Rest aber habe ihre Vorstellungskraft überstiegen. Auf was es jetzt ankomme, sei es, den Krieg zu verhindern, schon allein, um der revolutionären Konkurrenz im Zarenreich den Wind aus den Segeln zu nehmen. Sie spottet über die Dummheit der Israelis, zu glauben, der Lauf der Geschichte sei durch das Ausschalten einer Einzelperson zu korrigieren, ein weiterer Beweis, über die Gleichzeitigkeit von Brillanz und Dummheit im Fortschritt der Zivilisationen. Shira beteuert, es von Anfang gewusst zu haben, und der Kontakt mit dem künftigen Führer habe ihr das einmal mehr bewiesen. Rosa L. fragt sie, wie ihr arischer Herrenmensch denn so sei. Shira zeigt ihr ein Handyvideo, das so beginnt: Shiras Stimme: Du Adolf, kannst du noch einmal zusammenfassen, was die germanische Frau vor anderen auszeichnet. Hitlers linkischer Monolog bringt die Frauen sehr zu lachen, Rosa greift sich auf den offenen Mund. Sogar Hitler muss im Video über sich lachen.

Die Szene wird als Stummfilmsequenz fortgesetzt. Ein Schutzpolizist nähert sich den Frauen und ermahnt sie, dass zu lautes Lachen in der Öffentlichkeit für Frauenzimmer nicht schicklich ist, da sie nur zu leicht mit Dirnen verwechselt werden können. Wütender Blick Shiras in Großaufnahme mit Pianocrescendo. In der nächsten Einstellung hängt der Schupo schon an den Hosenträgern von einem Ast und schimpft. Shira hat sich seine Pickelhaube aufgesetzt und zerbricht seinen Säbel. Arm in Arm marschieren die beiden Frauen davon. Doch es entsteht ein unerwarteter Dialog, weiter im Stummfilmmodus. Rosa L. ermahnt Shira: Weibliche Körperstärke und Kampfesmut seien sicher beeindruckende Eigenschaften und nach so vielen Epochen patriarchaler Unterdrückung eine viel geträumte weibliche Phantasie. Doch finde sie das Imitieren roher männlicher Primitivität nicht so doll. Stärke beweise sich im Verzicht auf diese. Shira gelobt Besserung. Und sagt, so habe es ihr noch nie jemand gesagt.

Schnitt zu Dr. Freud in seiner Ordination, die Zigarre im Mund. Er blickt ratlos in die Kamera. »Ja, was starrt ihr denn alle mich an. Worum geht es überhaupt?«

Als Shira aus Berlin zurückkommt, ist nichts mehr beim Alten. Hitler und Tzvi sind ein eingeschworenes Team, Adolf hat sich eine etwas blasierte Künstler-Dekadenz und selbstbewusste Macho-Attitüde zugelegt. Er trägt Seidenschlafröcke, Schalkrawatten und liest Spengler. Und sowohl Tzvi als auch Adolf sind stinkeifersüchtig und überspielen das mit Coolness. Als Shira seine Klimt-Imitate sieht, wird sie wütend. Was, schreit sie, sei gewonnen, wenn der Junge seine altdeutschen Bauernhäuser gegen diesen Kitsch eintausche. Shira hält eine Brandrede gegen Dekadenz und Müßiggang, während auf den Straßen die Arbeitslosen und Armen protestierten. Sie weiß nun, wo ihr Platz ist. Hitler entgegnet, der Pöbel werde doch nur von den fremdländischen Sozialisten aufgehetzt. Shira gibt zuerst Hitler eine Ohrfeige, dann Tzvi. »Das war für deine pädagogischen Bemühungen, während ich in Wien war.« Sie verlässt die beiden. Tzvi gesteht Adolf, dass er sie liebt. Aber sie sei doch seine Schwester. Schwester dritten Grades, erwidert er. Sie haben unterschiedliche Väter, aber ihre leibliche Mutter sei ihre eigene Nichte vierten Grades. Tzvi schämt sich und gemeinsam mit Peter Altenberg und Akolé offenbart er dem jungen Hitler das ideologische Wahngebilde von Antisemitismus und Rassismus.

Shira an vorderster Front bei einer Demo fürs Frauenwahlrecht. Keuchend lauft Altenberg auf sie zu und sagt ihr etwas, was sie erschrecken lasst.

Als Nächstes stehen sich Tzvi und Hitler gegenüber mit Pistolen im Anschlag. Die rettende Kutsche fährt vor, Shira springt heraus und stürzt sich schreiend zwischen die beiden, ein verschmitzt grinsender Altenberg ihr nach. Es war nur ein Ulk, die beiden wollten bloß testen, wie sehr ihnen noch an ihr liegt. Sie bringen ihr ein Ständchen, den Rockhit »My Sharona«, bloß dass sie statt Sharona Shirona singen. Die Angesungene kann dem Charme dieser Aktion nicht widerstehen. Doch bald steigt sie wieder in die Kutsche und fährt ab. Hitler weiß, dass er in Tzvi nun einen Konkurrenten um Shira hat, das kühlt ihr Verhältnis ab.

Tzvi wird vom Chef des Evidenzbüros des k.u.k. Militärgeheimdienstes vorgeladen. Er wusste, dass das irgendwann kommen musste und seine tödlichen Duellerfolge rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen. Er glaubte, nur die Schande, von einem armenischen Operettensänger besiegt worden zu sein, habe ihn vor Anzeigen geschützt. Baron Lajos ist ein smarter Zyniker. Er gesteht Tzvi in seinem Büro zu, dass dieser bereits so viele Herrschaften aus Militär und Wirtschaft erlegt habe, dass seine Vergehen dermaßen systemschädigend sind, dass man sie gar nicht mehr sühnen könne. Denn nur kleine Banditen urteilt man ab, die großen macht man zu Gesellschaftern. Lajos vergleicht das mit verschuldeten Banken, die zu groß sind, um sie pleite gehen zu lassen. Es würde ihn freuen, ihn, Herren Adrian Arvanitian, kommenden Donnerstag ein paar einflussreichen Freunden vorzustellen.

Hitler rafft seine ganze Entschlossenheit zusammen, Shira seine Gefühle zu gestehen. Er lässt ihr ein Billet zukommen. Während einer politischen Diskussionsrunde wird es ihr zugestellt. Darauf steht: »Ich will dich Akt malen. Warte auf dich zuhause. Adólphe.« Gefasst verlässt sie das Treffen und steigt in die Tram. Beide gehen entschlossen auf dieses Final Tête-à-Tête zu wie auf ein letztes alles entscheidende Duell. Wie ein gefühlskalter Playboy (»Ich habe auf dich gewartet«) bittet Hitler Shira, sich auszuziehen. Erstaunlicherweise befolgt sie seine Anweisungen ebenso selbstbewusst. Weil sie weiß, dass sein cooles Gehabe nur eine dünne Maske ist. Hitler beginnt sie zu zeichnen, nicht ohne ihr zu sagen, dass sie schön ist. Shira lacht ihn aus. Hitler beginnt zu zittern.

Tzvi in Gesellschaft eines illustren Herrenclubs. Dr. Paul Arnheim ist anwesend als Vertreter der deutschen Stahlindustrie, Major Lajos, einige Militärs und Vertreter der deutschen wie k.u.k. Finanz und Wirtschaft. Man raucht Zigarre. Bloß Arnheim und Tzvi, weil elegantere Erscheinungen als der Rest, Cigarillo. Der Gesprächston ist abgeklärt, nobel und sarkastisch und soll in dieser Szene auf eine parodistische Spitze getrieben werden. Lajos begrüßt Tzvi und erteilt Arnheim das Wort. Der stellt den Klub als eine lose Assoziation von bedeutenden Männern vor, die gemeinsame Interessen teilten. Das größte ihrer Interessen sei – Krieg. Es gehe um Absatzmärkte, Verwendung neuer Technologien, billige Arbeitskräfte und andere Investitionen. Und es gebe noch einen Grund: Die Operetten-Monarchien halte man sich, so lange man sie brauche und so lange sie mit ihrem falschen Glitter die Massen bei Laune hielten. Man habe aber auch bereits Plan B im Ärmel. Europa strebe nach Nationalstaaten und diese Entwicklung müsse man ausnützen. Er, Adrian Arvanitian, habe mit seinen Duellerfolgen da schon ganze Vorarbeit geleistet, obwohl er in zwei, drei Fällen leider Leute aus ihrer Fraktion erwischt habe. Aber wo gehobelt werde, da fielen Späne. Es würde sie alle freuen, wenn er, Herr Arvanitian, seine Talente in ihre Dienste stellen würde. Es gäbe eine lange, lange Liste von Herrschaften, die ihren Zielen im Weg stünden. Er müsse keinerlei rechtliche Folgen befürchten, die Reichspolizei sei weisungsgebunden und bekomme ihre Weisungen direkt vom Ministerium des Inneren, und deren Vice-Minister Graf Potonsky sei ihr Mann. (Graf Potonsky ist anwesend und verbeugt sich). Auf der Abschussliste stünden Konkurrenten aus der Ökonomie, slawophile Mitglieder des Kaiserhauses und die vermaledeiten Sozialdemokraten, besonders die österreichischen. Mit den deutschen habe man sich – bis auf ein paar radikale Flintenweiber – längst arrangiert. Und wie, will Tzvi wissen, halten es die Herren mit den Juden? Arnheim: Aber nur keine Vorurteile. In ihrem Klub gebe es auch prominente Vertreter des mosaischen Aberglaubens, wobei er aber gestehen müsse, dass der dumme Antisemitismus zur Lenkung des Pöbels unverzichtbar ist. Man gewährt Tzvi einen Monat Bedenkzeit und bittet ihn höflich, keine Vertreter von Mittel- und Oberschicht mehr zu erschießen, bevor er die Liste bekommt. Man prostet einander zu.

Zurück zu Hitlers Aktmalerei. Hitler schwärmt von Shiras ätherischer Reinheit, so wie Gott sie geschaffen hat. Sie: »Was macht man nicht alles für die Kunst. In dreißig Jahren wirst du mich so, wie mich Gott geschaffen hat, ins Gas schicken.« Hitler meint, sie rede wirres Zeug. Shiras Züge verhärten sich. Hitler eröffnet ihr, wenn er sein Studium beendet habe, möchte er ein Haus im Waldviertel kaufen und mit ihr dort leben und Kinder haben. »Was ist das für Nummer auf deinem Unterarm?« »Das ist die KZ-Nummer meiner Oma.« »KZ? Kennzahl?« Shira stürzt sich auf ihn und würgt ihn. Er kann sich losreißen. Und schreit ihr voller Inbrunst ins Gesicht: »Ich liebe dich, Shira.« Shira lässt von ihm ab und schlüpft in ihren Seidenkimono.

In diesem Augenblick tritt Tzvi betrunken ein. »Oh, Rassenschande, lasst euch durch mich bitte nicht stören.« Er lässt sich leger ins Sofa fallen. Und macht sarkastische Bemerkungen über die sexuelle Anziehung eines vertrottelten Teenie-Nazis. Shira wirft einen Schuh nach ihm. Er lacht. Hitler will endlich wissen, was es mit dem Nazi auf sich habe. Tzvi erklärt ihm die Bedeutung. Hitler ohrfeigt ihn. National sei er aus Überzeugung, aber dürfe ihn nie wieder einen Sozialisten nennen. Er akzeptiere, dass sie Juden sind, aber seine Verachtung für den Sozialismus werde er nie überwinden können. Shira erklärt ihm, warum sie ihn nie lieben könne. Er sei, ohne es zu wissen, durch unerforschliche Wechselfälle der Geschichte, dazu auserkoren, die größte Bestie aller Zeiten zu werden, aus einem Heer aus potenziellen Bestien und potenziellen Engeln durch Losentscheid des Schicksals an die Spitze einer Bewegung gespült zu werden, die alles, was gut, schön, richtig ist und dazu ihr ganzes Volk fabrikmäßig zu vernichten. Sie verrät ihm ihre und Tzvis Identität und ihren Auftrag. Man weiß nicht, wie viel Hitler von all dem versteht, doch er bittet Tzvi resigniert, seinen ursprünglichen Auftrag zu erfüllen. Der lässt sich nicht bitten und füllt die Trommel seines Revolvers mit Patronen. Es werde ihm ein Vergnügen sein, die Ratte zu erledigen. Hitler sucht in Shiras Gesicht nach Gefühlen. Sie bittet Tzvi, ihn zu schonen. Diese Hinrichtung habe keinen Sinn, man müsse das System verändern. Tzvi lächelt hämisch. Sehr viel Sinn habe es. Es werde ihm Genugtuung bereiten. Shira stellt sich vor Adolf und fragt Tzvi, ob er denn nie Gefühle für den Jungen gehabt habe. Es ist Hitler, der Shira zur Seite stößt. Tzvi zielt, es erscheint Hitler-Baby mit Bärtchen vor seinem geistigen Auge, und einige andere sentimentale Szenen ihrer gemeinsamen Vergangenheit. Der Lauf zittert. Tzvi schmeißt die Waffe wütend in die Ecke. Er steht auf, schlägt die Hacken zusammen, hebt den rechten Arm zum deutschen Gruß und schreit »Heil Hitler«. Er fordert Shira auf, mit ihr nach Israel zurückzukehren, es gebe hier nichts mehr zu tun. Sehr viel zu tun gebe es hier, entgegnet sie. Man kommt überein, dass nichts mehr so sein werde, wie es war. Die drei stehen in pathetischer Konstellation im Salon herum. Ein schwerer roter Samtvorhang fällt herunter. Tosender Publikumsapplaus.

Jugendstilinsert. Dritter Akt. Stummfilm-Montage mit Überschneidungen. Man sieht Tzvi als trotzigen Hutschenschleuderer im Prater (Liliom), Hitler verzweifelt den Donaukanal entlangwandern, Shira flammende Reden vor Publikum halten. Tzvi über ein Absinthglas gebeugt. Shira stellt Rosa Luxemburg der SP-Parteiführung in Wien vor. Handküsse.

Hitler steht vor der Urania an der Quaikante, kurz vorm Sprung. Da kommen zwei Frauen vorbei. Es sind Olja und Wetty. Sie fragt, was er da mache. Er wolle sterben. Na, das trifft sich gut. Ihr gehe es nicht anders. Olja nimmt ihn zu sich nachhause. Auf den Stufen hustet sie Blut. Der Arzt gebe ihr noch zwei Wochen, sagt sie ihm, ihre Lunge sei völlig zerfressen. Eine sehr süße Liebesszene folgt. Er ist dabei nicht sehr erfolgreich. Doch sie muss ihn nicht einmal trösten, so egal ist ihr das. Hitler schläft ein und schnarcht. Sie betrachtet ihn lächelnd, streichelt sein Gesicht und singt das Lied Papir is doch vays. Nein, flüstert sie, er müsse leben, die Welt erwarte noch große Dinge von ihm.

Am nächsten Morgen liegt Olja tot neben ihm. Auf dem Nachtkästchen eine Spritze. In ihrem letzten Willen hat sie ihm ihr letztes Geld vermacht. Er und Oljas Kolleginnen sind die einzigen am Grab. Ein Rabbi spricht die Worte des Talmud: »Sieh auf drei Dinge, und du wirst nie fehlschlagen im Leben: Wisse, woher du kommst und wohin du gehst und vor wem du wirst einst Rechenschaft ablegen müssen.«

Tzvi tanzt sich bei einer chassidischen Hochzeit in Trance, er hat sich Pejes wachsen lassen, einen Bart und trägt Hut und Kaftan.

In dieser Aufmachung sieht man ihn tagsüber verloren durchs zeitgenössische Tel Aviv schreiten. Der Verkehr, Lärm, die gaffenden Passanten verwirren ihn. In der nächsten Szene sitzt er vor Oberst Shafir im Büro und fragt ihn, ob sich Shira gemeldet hat. Shafir verneint und gibt ihm den Auftrag, nach Wien zurückzukehren und sie auszuschalten. Tzvi verweigert. Oberst Shafir kann das verstehen. Er gibt ihm zuletzt den Rat, diese lächerliche Aufmachung abzulegen. Rasiert und in T-Shirt und Jeans schreitet er wieder durch die Allonby-Straße. In einem Klub steht er an der Bar und ist vom Techno genervt. Er erinnert sich an den Salon der Jahodas zurück, wo er mit seinen weiblichen Fans das Pufflied aus der »Lustigen Witwe« sang. Er macht ein Mädchen an, flüstert ihr galante Sprüche ins Ohr, sie glaubt ihn wegen der Lautstärke nicht zu verstehen, er wiederholt es, doch es scheint irgendwie nicht ihre Sprache zu sein. Da taucht ein älterer Playboy auf, er sieht haargenau wie Peter Altenberg aus, und nimmt die Dame mit sich. Seinen Triumph betont er mit einem Augenzwinkern. Tzvi lächelt still in sich hinein, er weiß, dass er nach Wien zurückmuss, um Shira zu schützen, denn ansonsten schickt Shafir andere Killer.

In Shafirs Büro. Dieser begrüßt, dass Tzvi es sich anders überlegt hat.

Direkte Überblendung in den Wiener Herrenclub. Paul Arnheim begrüßt, dass Tzvi es sich anders überlegt hat.

Man schreibt das Jahr 1913. Hitler irrt hungrig und frierend durch Wien. Er ist zu stolz zu betteln. Im Prater ist wieder Völkerschau. Im Ashantidorf kniet Akolé und schlägt Butter. Die Menge wirft mit Brotstücken nach ihr. Sie erkennt Hitler und den Ausdruck seines Hungers. Nach der Vorstellung sitzt Hitler bei ihr und frisst gierig die Brotstückchen. Er hat schweres Fieber. Akolé und ihre Kollegen pflegen ihn und geben ihm Medizin zu trinken. Als der Manager Hitler im Ausstellungsgelände sieht, prügelt er Akolé und jagt ihn davon. Hitler beobachtet genau am nächsten Tag die Fratzen der Schaulustigen. Bürger, Kleinbürger, Leute vom Land, die Blüte der Landbevölkerung in all ihrer bösartigen Hässlichkeit. Ihre Fratzen werden zu denen von wilden Tieren, während es die Afrikaner_innen mit stoischer Anmut über sich ergehen lassen. Adolf reißt seine zerrissenes Jackett und sein Hemd vom Leib, malt Oberkörper und Gesicht mit Russ an und springt mitten ins Dorf, dort führt er wilde Kriegstänze auf, springt auf die Zuseher zu, imitiert wie ein Affe ihre Affigkeit und schreit sie mit wilden Tierlauten an. Akolé lächelt zufrieden. Der Manager hält die Securities vom Einschreiten ab, als er sieht, wie gut Hitler beim Publikum ankommt. Hitler darf als künstlicher »Mohr« bei den Ashantis bleiben. Er fragt Akolé nach dem Verbleiben von Altenberg. Sie zuckt mit den Achseln. Am vorletzten Tag der Schau – Hitler ist fest entschlossen, mit Akolé nach Afrika zurückzugehen, in Wirklichkeit soll die Truppe nach Triest ziehen – fordert Akolé vom Manager mit ihrem eingeschränkten Deutsch seinen Lohn für Hitler ein. Er hat ebenso Recht auf vier Gulden pro Tag wie alle hier. Der Manager ziert sich, als ihn Akolé beschimpft, wird er handgreiflich. Hitler faucht wie ein Löwe und nimmt Anlauf. In diesem Moment sieht man einen echten Löwen über das Blickfeld springen.

Hitler erwacht in der Psychiatrie auf der Baumgartner Höhe. Im Nebenbett Peter Altenberg. Der freut sich, dass Hitler nun auch im Reich der Irren gelandet ist, dem letzten Zufluchtsort der Vernunft.

Tzvi Honigmann geht seinem Brotberuf, als Ehrenhändel getarnte Auftragsmorde, nach. In romantischer Bildfolge erschießt er Botschafter, Militärs, Wirtschaftsbosse, Beamte, wacht neben Damen der Gesellschaft auf, wird von ihnen bei Gesellschaften hofiert – und immer wieder mit Handschuhen geohrfeigt. Dazu sentimentale Musik. Er ist teilnahmslos, hat keine richtige Freude an der Arbeit und denkt an jemanden, den er verloren hat.

Hitler zusammengedrängt zwischen groben, ärmlichen Gestalten im Männerwohnheim. Gierig löffeln alle ihre Suppe. Irgendwo wird geschrien, dass »die Judensau« zwei Schöpfer gekriegt hat. Schon werden drei Juden unter Johlen der Menge aus dem Saal geprügelt. Teilnahmslos hört sich Hitler die antisemitischen Zoten seines Gegenübers an.

Tel Aviv. Oberst Shafir stellt seinem Team die drei wahnsinnigen Killer vor, welche nach Wien geschickt werden sollen, um Tzvi und Alisha zu finden und zu töten. Rolf der Nazi, eine blonde dolph-lundgren-artige Bestie mit Eisenzähnen, die ständig etwas knacken muss, am liebsten junge Gutmenschen (Breivik-Anspielung); dann Abdulrahman, der Salafist, eine Kehllaute von sich gebende Übertreibung aller Islamoterroristenstereotype, der für den Notfall immer einen Sprengstoffgürtel trägt, und Schlomo, der Siedler – der untypischste von den dreien, eher schmächtig, Hut, lange Haare, Nickelbrille, viel Zahnfleisch. Man sieht alle drei kurz in ihrer pathologischen Action. Abdulrahman ließ sich anheuern, um seine Brüder aus dem Gefängnis von Haifa freizubekommen. Was die drei nicht wissen, nach Beendigung des Auftrags muss Abdulrahman Rolf töten und Schlomo Abdulrahman. Eigenartigerweise ist das Einvernehmen zwischen diesen drei Todfeinden bis auf die üblichen Schmähungen gar nicht so schlecht. Denn ihr jeweiliger Wahn vereint sie gegen die restliche Welt. Abdulrahman verbindet mit Schlomo sogar eine Liebesgeschichte.

Hitler hat im Heim Anschluss zu ein paar Studenten gefunden. Er, der nichts zu verlieren hat und nur sterben will, profitiert von der Kriegssehnsucht der jungen Leute. Er mag seinen Rassismus und Antisemitismus etwas gedämpft haben, sein Wunsch nach totaler Auslöschung hat auch in ihm einen Vernichtungswillen gesteigert, die letzte Säule seines faschistischen Bewusstseins. Man sieht ihn verrückte hypnotische Reden halten. Er trägt bereits den berühmten Hitler-Scheitel und bedient sich der späteren ekstatischen Gesten. Er verbreitet Schicksalsgläubigkeit und Opfermut, die Schönheit des Heldentodes, Stahlgewitter, und redet sich von den üblichen ideologischen Figuren seiner Zeit in einen exspressionistischen Kriegs- und Zerfetzungswirbel hinein, der phonetisch wirklich nicht mehr weit entfernt ist von Charlie Chaplins »rrrtzn schtrrtn-tack«, mit dem Unterschied, dass er erkennbare Wörter verwendet. Die Studenten sind in Ekstase und singen die »Wacht am Rhein«.

Krieg liegt in der Luft. Rosa L. und Shira in fiebriger Vorbereitung. Man überlegt, ob man die Ermordungspläne in Sarajevo der österreichischen Führung melden solle. Doch traut man gerade der nicht, und der deutschen schon gar nicht. So telegrafiert man zu den sozialistischen Zellen in Sarajevo und Belgrad. Doch, wendet Rosa L. ein, es habe keinen Sinn, ein Anlass werde sich finden lassen, wenn nicht dieser, dann ein anderer.

In eng anliegenden Anzügen und mit gestärkten Krägen schlendern die drei Killer durch Wien, immer allmächtig grinsend, vor erschrockenen Damen die Melone ziehend. Sie machen vor Vollendung des Auftrags noch eine kleine Sightseeingtour. Im Prater nimmt Abdulrahman einem kleinen Mädchen die Zuckerwatte weg. Mit dieser in der Hand fährt er Ringelspiel, so wie seine Kollegen.

Tzvi mit Arnheim und anderen Klubmitgliedern beim Kartenspiel. Man unterhält sich über Humor. Tzvi meint, dass er den Humor der Herren zum Kotzen fände. Die fordern ihn auf, doch ein Beispiel seines Humors zu geben. Er versucht es mit ein paar Witzen, deren Sinn sich aber nur mit Insiderwissen der Gegenwart verstehen lässt. Doch da fällt ihm einer ein, den man 1914 auch verstehen könnte. Einem einfältigen Mann erscheint eine Fee, die ihm drei Wünsche erfüllen will. Der erste fällt ihm sofort ein: er will steinreich sein. Beim zweiten, er ist nicht besonders hell, muss er schon länger nachdenken. Doch, ja. Eine schöne Frau möchte er haben. Beim dritten Wunsch muss er sehr lange nachdenken und tief in seiner Kindheit kramen. Ja, als Kind wollte er irgend so ein König, Graf oder so was sein. Deine drei Wünsche werden über Nacht in Erfüllung gehen. Schwupps, die Fee verschwindet. Am nächsten Morgen kommt eine schöne Frau an sein Bett und weckt ihn mit den Worten »Aufstehen, Franz Ferdinand, wir müssen nach Sarajevo.« Tzvi verfällt in schrilles Kichern, doch alle anderen starren ihn nur entgeistert an. Sein Vorurteil, dass diese Deutschen null Humor haben, bestätigt sich. Kurz darauf kommt ein aufgeregter Herr mit der Nachricht, dass der Thronfolger in Sarajevo von einem serbischen Attentäter erschossen worden sei. Die anwesenden Herren verfallen in einen wahren Lachkrampf. Das ist also euer Humor, denkt sich Tzvi, und spielt sein Blatt aus, doch keiner spielt mehr mit. Er ist wirklich etwas begriffsstutzig. Die Magnaten fragen einander, ob der jeweils andere seine Finger im Spiel gehabt habe und kommen zur freudigen Übereinkunft, dass die Serben das ganz allein fertiggebracht hätten. Sie springen einander in die Arme, führen Freudentänze auf, tanzen Tango. Sektkorken knallen. Arnheim knuddelt Tzvis Wangen. »Wir haben es geschafft. Es gibt Krieg. Jetzt sind Sie dran. Jetzt müssen wir die sozialistische Führung ausschalten. Vor allem ihre zwei Flintenweiber. Sie wissen, was Sie zu tun haben, Arvanitian.«

Einblendung von Zeitungsheadlines. Krieg! Serbien muss sterbien! Generalmobilmachung! Sozialdemokraten stimmen für Kriegskredite!

Nacht. Ein Automobil stottert auf dem Ring zum Platz vor dem Parlament. Arbeiter werken an einer Tribüne. Tzvi nähert sich ihnen und fragt sie, ob das die Bühne sei, auf der Rosa Luxemburg ihre Rede halten werde. Auf sein Fingerschnippen rollen zwei Arbeiter aus dem Auto zwei Kabelrollen heran.

Am nächsten Tag. Der Platz vor dem Parlament ist voll Arbeiter und Bürger. Viele bewaffnet, um das große Polizei- und Militäraufgebot abzuwehren. Dieses hat Order, die Versammlung nicht aufzulösen. Auf dem Dach des Parlaments hat sich Tzvi mit seinem Zielfernrohrgewehr postiert. Peter Altenberg sieht ihn und stürmt hoch. Man soll glauben, dass er das Attentat verhindern will.

Rosa L. ist nervös. Was ist das Ding da auf der Bühne? Shira kann ihr Glück nicht fassen, es ist ein Mikrophon. Sie sieht überall Lautsprecher befestigt. Hitler schleicht sich mit zwielichtiger Miene durch die Menge. Auch ein Attentäter?

Tzvi hört hinter sich Altenbergs Stimme. Es tut ihm leid, sagt er. Er dreht sich um. Das Killertrio steht vor ihm. Rolf hat Peter sein Messer an die Kehle gesetzt. Mit seinen Eisenzähnen zerbeißt er das verdickte Ende von Peter Altenbergs Knotenstock. Tzvi lässt das Gewehr fallen und hebt die Hände. Rolf schneidet Altenberg langsam die Kehle durch. Tzvi setzt zu einem Monolog an, in dem er den Terroristen in starken Worten das Wesen ihrer Pathologie erklärt. Abdulrahman ist am wütendsten. Auf dem Monitor seiner Bombenzündung ist auch die Körpertemperatur und der Puls abzulesen. Beide steigen rasant an. Das Trio explodiert. Cooler Spruch Tzvis in der richtigen Situation: Mann, so einfach geht das. Doch er hat nicht mit dem Vieh Rolf gerechnet, eigentlich nur noch ein Torso. Er schießt Tzvi nieder, robbt sich zur Balustrade, zielt mit seinem Zielfernrohr auf Shira und Rosa L. Tzvi schreit vom Dach eine Warnung herunter. Hitler hört es, und springt in Zeitlupe vor Rosa L., um die Kugel abzufangen, er fliegt an ihr vorbei und mit dem Kopf gegen einen Laternenpfahl. Die Kugel trifft Rosa L. in die Schulter. In Zeitlupe stürzt sie und ihre ganze Rede mit sich zu Boden. Von hinten schlägt Altenberg (er hat sich selber am Hals mittels einer »Fackel«-Ausgabe einen Druckverband angeleg)  mit seinem Knotenstock Rolf den Schädel ein und wie mit einem Golfschläger schleudert er dessen Torso in die Luft. Dieser landet auf der Lanze der Pallas Athenae. Niemand scheint diesen Flug zu bemerken.

Shira stürzt sich schreiend auf die Verletzte. Rosa L. sagt ihr, dass nun alles bei ihr liege. Verzweifelt versucht Shira, die losen Blätter von Rosas Rede einzusammeln, gibt es auf und schreitet entschlossen zur Bühne. Kurz bleibt sie neben Hitler stehen, dem man den Kopf verbindet. Sie zwinkert ihm zu, gibt ihn einen Kuss auf die Stirn und schreitet weiter. Shira ist nervös. Zaghafter Anfang der Rede. Rückkoppelungsgeräusche. Schüchtern und unschlüssig  setzt sie an, und steigert sich in eine der – geplant – stärksten Reden der Filmgeschichte. Besser zumindest als die von Charlie Chaplin im »letzten Diktator«, die nur moralisch ist. Allerdings auch keine bloße kommunistische Agitationsrede. Sie muss verbindlich und so stark werden, dass hernach die Welt nicht mehr dieselbe sein kann. Shira spricht vor allem die Arbeiterklassen Deutschlands, Österreichs und Frankreichs an, sich nicht gegeneinander aufhetzen lassen, doch ihre Rede nennt sehr explizit die systemischen Gründe und Interessen des Krieges beim Namen und ruft gleich auch zu einer völlig neuen Form von Gesellschaft auf. Wie gesagt, die Rede wird gut werden. Das findet auch das Publikum. Johlender Beifall. Kriegstreiberische Studenten schmollen, stimmen aber dann, weil sie es immer tun, in den Beifall ein. Die Herren Arnheim & Co haben sich längst als Proletarier verkleidet und jubeln ängstlich mit. Die Proletarier drehen sich nach Polizei und Militär um. Ein Offizier wollte gerade Schießbefehl geben. Er beginnt zu pfeifen, als ob nichts wäre. Die Dragoner werfen die Säbel von sich und steigen von ihren Pferden. Das Volk jubelt weiter. Die Dragoner beginnen Can-Can zu tanzen. Tzvi lehnt verwundet an der Balustrade und zwinkert Altenberg zu, Altenberg zwinkert Peter zu, die Pallas-Athenae-Statue dreht sich zu ihnen um und zwinkert beiden zu. So geht das einige Male hin und her. Albern. I know. But i like it. Heißer New Orleans Jazz erschallt. Bürgerfrauen reißen sich die Kleider bis auf die Unterhemden vom Leib, zünden einander die Zigarettenspitzen an und beginnen Charleston und Jitterburg zu tanzen. Hitler springt zwischen sie und tanzt am besten.

Kaiser Franz-Josef im Nachthemd beim Fußbad. Man bringt ihm die Meldung vom Umsturz. »Mei, jetzt schmeißen uns die Bürgerlichen doch noch raus.« Man sagt ihm, dass es nicht die Bürgerlichen, sondern das ganze Volk ist, das aufgestanden ist. »Na, s lang’s net die Bürgerlichen san, is mir olles recht.«

Zeitungs-Headlines: »Erster Weltkrieg abgeblasen.« »Gewaltlose Revolution.«  »Weltweiter Wettbewerb des Idealismus bringt Geldherrschaft zu Fall« …

Donaukanal. Zwischen jubelnden und feiernden Menschen schreiten Tzvi und Shira. Er trägt seinen Arm in einer Schlinge. Das ist alles zu schön, um wahr zu sein, meint Tzvi. Er soll sich nicht täuschen, der Rollback wird kommen. Das war nur der Anfang. Aber durch den Zugang zur Vergangenheit böten sich unendlich viele Möglichkeiten. Mit dem Wissen der Gegenwart könnten sie jetzt versuchen, Fehlentwicklungen schon im Anfangsstadium zu bekämpfen. Tzvi wendet ein, dass die Leute der Gegenwart ja noch dümmer seien, und nie aus der Geschichte lernten. Dann, sagt Shira, müsse man eben dafür sorgen, dass es nicht viel aus der Geschichte zu lernen gibt. »Wir haben der Vergangenheit die falsche Zukunft voraus.« Nur wenige haben das Wissen der Vergangenheit, und die haben die Verantwortung, heimlich, ohne sich demokratisch verantworten zu müssen, das Bewusstsein und die Ökonomie in der Vergangenheit so zum Positiven zu beeinflussen, dass die Menschen der Gegenwart ihnen als mündige und freie Menschen entgegentreten. »Wir haben noch viel zu tun, aber wir können jeden Tag so oft wiederholen, wie wir wollen.« Tzvi hat noch immer Zweifel. Wer aber garantiert, dass Shiras Vorstellungen die richtigen sind? Der Erfolg, den sie in der Zukunft haben werden, und außerdem, weil sie schlichtweg Supergirl sei. In diesem Augenblick fliegt Shira mit ausgestreckter Faust in den Himmel. Vielleicht sieht sie aus wie eine Jugendstil-Fee. Sie bleibt über ihm in der Luft und fordert ihn auf, ihr zu folgen, er kann das auch, denn man kann immer viel mehr, als man glaubt. Die ist ja völlig meschugge, meint Tzvi, hebt den Arm und fliegt ebenfalls hoch, mit Shira über Wien davon.

Tel Aviv 2020. Underground-Club. Tzvi und Shira haben Adolf Hitler in die Zukunft mitgenommen, weil er nichts Anständiges gelernt hat, ist Punk/Pop-Sänger geworden und feiert mit seiner Band große Erfolge. Er singt das Liebeslied Sharon, ’ana ’ahbik, in dem er alle Grenzen, Kollektive, jegliche Staatsraison der Lächerlichkeit preisgibt.

[1] Original-Zitat

[2] No joke. Nachzulesen in Sigmund Freud (1914): Zur Einführung des Narzißmus. http://gutenberg.spiegel.de/buch/kleine-schriften-ii-7122/9

[3] Das hat R. L. über sich und Clara Zetkin gesagt. J

[4] Übrigens der Name meiner Großtante.

[5] Das hat Hitler wirklich gesagt. Als er und Kubizek eine Wohnung suchten, hat die Vermieterin ihren Schlafrock vor ihm geöffnet. Hitler ergriff die Flucht. Zu Kubizek sagte er: »So eine Potiphar«. Nachzulesen in Brigitte Hamann, Hitlers Wien, S. 514.

 

 

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