Sarajevo, You’re a Lady

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Das Chanson, dass die Bühnenfigur Jean-Pierre Léaud hier singt, stammt aus meinem Antikriegsdrama Freitag in Sarajevo. Der Figur des Franzosen stand der Kombat-Philosoph Bernard-Henri Lèvy Pate, und in seinem Lied vereint sich Kriegs- und Bewährungsgeilheit mit Gefühlskitsch.

Im Video unten wieder ich mit Krzysztof Dobrek.

 

Sarajevo, Herbstblätter fallen von Alleebäumen im Spätfrühling,

jedes ein nicht in Erfüllung gegangener Wunsch.

Selbst deine Träume stöbern sie mit Nachtsichtgeräten auf,

selbst deine Hoffnungen nehmen sie nur noch durchs Zielfernrohr wahr,

o Sarajevo, mon amour.

 

O Sarajevo, ich war ein Fremder, als ich dich zum ersten Mal sah.

Doch kaum knospten deine zarten Brüste der Frei­heit entgegen,

kaum wuchsen deine schlanken Beine dem Osten davon,

nahm man deine Unschuld mit Gewalt.

 

Sarajevo. Alte Stiegenhäuser, knarrende Stahlrohrbetten.

Meine Mutter schläft schon, wir müssen leise sein,

flüstertest du mir zärtlich ins Ohr.

Deine Schenkel zitter­ten vor Verzweiflung

und ließen mich nicht mehr los,

und wir liebten uns zum Staccato des Geschützfeuers.

 

Als ich ein großer Junge war, träumte ich von großen Taten,

von der Résistance und von Frauen,

die sich mit Grandesse in alten Mansardenzimmern

zwischen Stunden der Gefahr die Schlüpfer von den Beinen zogen,

Typus Romy Schneider, Simone Signoret.

Ihr Make-up war schlicht, und die Verhältnisse

zwangen einen, das Leben ohne Kom­promisse zu leben,

denn Kühlschränke waren rar in diesen Zeiten.

Wir tanzten Musette, Slow Fox und Paso doble,

der Beat und der Twist waren noch nicht erfunden,

und wir lebten intensiver damals, als ich

und andere Konsumartikel noch nicht erfunden waren,

und ich weiß nicht recht, wie ich’s ausdrücken soll.

Aber damals im 2. Weltkrieg gab es noch jene Frauen,

die wir durch die Brille der Nouvelle Vague retrospektiv bewunderten.

Sie wissen, jene Sorte Dame, die nicht sagt,

kauf mir dieses Kleid oder jene Robe,

und stell dir vor, was der Herr Minister mir letztens

bei den Mitterrands ins Ohr geflüstert hat,

sondern jene Sorte Frau, die es nicht mehr gibt,

die sagt: Wir müssen uns lieben, jetzt und hier,

wir haben nicht mehr viel Zeit,

die Nazis stehen vor Saint-Germain-des-Prés

und ich bin Jüdin.

Hämmert feste ins Klavier.

O Sarajevo, o Sarajevo!

You’re a lady.

 

O Sarajevo, mon amour. O Sarajevo,

ich war ein Fremder, als ich dich zum ersten Mal sah.

Doch kaum knospten deine zarten Brüste der Freiheit entgegen,

kaum wuchsen deine schlanken Beine dem Osten davon,

nahm man deine Unschuld mit Gewalt.

 

Sarajevo. Alte Stiegenhäuser, knarrende Stalhrohrbetten.

Meine Mutter schläft schon, wir müssen leise sein,

flüstertest du mir zärtlich ins Ohr.

Deine Schenkel zitterten vor Verzweiflung

und ließen mich nicht mehr los,

und wir liebten uns

zum Staccato des Geschützfeuers.

 

 

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