Moritat vom Sachzwang

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Die Zugabe meines ersten Kabarettprogramms Hochkonjunktur statt Orgasmus, geschrieben 1988, aufgesagt erstmals 1989.

 

Der Kaiser war ein kreuzbraver Mann,

doch brachte er all sein Vermögen an.

Drum fiel er über die Mohren her.

Ei, wie drückte ihn da das Gewissen so schwer.

 

Er war halt so ein kreuzbraver Mann,

doch der Sachzwang machte ihn zum Tyrann.

 

Der Major ward von seiner Frau betrogen.

Er hätt sich ja gern wieder mit ihr vertragen,

doch die öffentliche Meinung, die kennt kein Verzeihn.

Drum schlug er ihr ganz gschwind den Schädel ein.

 

Wie war der Major liab zu seiner Frau,

doch der Sachzwang, der machte ihn zur Sau.

 

Die Maria Magdalena, a ganz a fesche Katz

Stand einsam und verachtet mitten am Platz.

Aus Hunger bot ihre Lenden sie feil.

Da rief man empört: Mei, is des Weib geil.

 

Wie sehr sehnte sie sich nach wahrer Liebe Lohn,

doch der Sachzwang, der kennt kein Pardon.

 

Der Großunternehmer, ein herzensguata Mensch

Kämpfte mit einer allzu harten Konkurrensch.

Drum machte er eine Tochterfirma dicht.

Ei seht, wie ihm da das Herzen gebricht.

 

Ihn freut weder Golf noch Bumsen nicht,

wenn er auf der Straße die vielen Arbeitslosen siehcht,

scheut er vor Schreck gar das Tageslicht.

 

Hemingway taten die Löwen recht leid,

denn sie schienen ihm ein Abbild seiner Männlichkeit,

doch war er nun mal Großwildjäger,

die Löwen potenzielle Bettvorleger.

 

Da sprach er seufzend zum Präsident Nasser:

Der Sachzwang ist ein verdammt harter Massa.

 

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