Klara Sonnenscheins Gedichte

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Gedichte der fiktiven Figur Klara Sonnenschein aus dem ebenfalls fiktiven Gedichtband Haikus in meine Haut geritzt aus meinem Roman Chronik einer fröhlichen Verschwörung. Jedem Kapitel ist ein Aphorismus oder ein Gedicht von ihr vorangestellt.

 

Den Eltern

 

Der Wind weht euer Schweigen

An mein kaltes Ohr.

Es tanzt im Windesreigen

Wie ein leinener Flor.

 

Der aus wiegenden Weidenzweigen

Sich an den Wind verlor.

Denn eurem Schweigen ist eigen,

dass nur ich es hör.

 

Nicht die Mörder, nicht die Feigen

Die man dazu auserkor,

Der Nachwelt zu zeigen,

Dass sie mit euch doch nichts verlor.

 

Eure warmen Stimmen steigen

In warme Erinnerung empor.

Doch es ist euer kaltes Schweigen,

das ich am lautesten hör.

 

Der Wind weht euer Schweigen

An mein kaltes Ohr.

Es tanzt im Windesreigen

Wie ein leinener Flor

 

Der aus wiegenden Weidenzweigen

Sich an den Wind verlor.

Denn eurem Schweigen ist eigen,

dass nur ich es hör.

 

 


 

Konsumenten-Demokratie

 

 

Was die Makler des Geistes nicht verstehen,

stellen sie nicht in ihr Sortiment.

So wird’s, als wär’s nie geschehen,

für immer aus dem Sinn gebannt.

 

Denn wie kann es auch etwas geben

jenseits von ihrem Horizont?

Markieren sie nicht im geistigen Leben

alles Erdenklichen feile Front?

 

Würden diese Pillendreher nicht existieren,

diese Mistkäfer der Verwertung,

wer würde die Welt für uns portionieren?

Dankend fressen wir ihren Dung.

 

Denn nur was sich verkauft, das darf sein,

zu Recht scheidet Sperriges aus.

So brennt man auch uns das Warenzeichen ein,

unser Gehorsam eilt ihnen voraus.

 

So werden auch wir wie die Waren,

zu der sie die Welt konfektioniert.

Nichts in uns bleibt vom einst Wunderbaren,

das von ihnen nicht approbiert.

 

Selbst Revolte dagegen wird nur mehr verstanden

in genormten Phrasen und Schablonen.

Bei Giftmischern wird das Gegengift erstanden,

alles ist möglich, es muss sich nur lohnen.

 

Die Makler des Geistes, sie regeln ein Angebot,

für das zuvor keine Nachfrage bestand,

doch sobald der Geist den Maklern droht,

jagen die Käufer ihn selbst aus dem Land

 


 

 

Ich hab’ keine Allmachtsphantasie. Ich bin allmächtig.

Mit einem hungrigen Tornado bin ich trächtig,

der wird alles, was mir Böses tat, in Atome zerwirbeln

Aus Mutterstolz werd’ ich meinen Bart dann zwirbeln.

 


 

 

An alle, die ich niemals liebte

 

Die dümmste lyrische Allegorie

Beklagt die einsamen Planeten

Sie fänden einander nie

Weil sie nie aus ihren Bahnen träten.

 

Darauf frag ich prompt:

Was kann ihnen Besseres passieren?

Was einander nie in die Quere kommt,

das – glaubt mir – kann nicht kollidieren.

 


Klassenkampf

 

Ein Kommunist

sagte mir heute

durch die Blume,

dass seine Genossen

vergast worden seien,

weil sie die Welt

verändern wollten.

Hingegen wir, die Juden,

bloß, weil wir Juden waren.

Das führt mich zu dem Schluss,

dass auch den Märtyrertod

wir uns nur ergaunert haben.

Aber so sind wir eben.

Quod erat demonstrandum.

 


 

 

Geseufzte Namen

Wie Löwenzahnsamen

Durch Spinnenweben

Von hinnen schweben

Ein paar nur bleiben darin zurück

Tautröpfchen geht über vor Glück

 


Ein großzügiges Angebot

 

Jetzt schlag schon ein,

sei kein Spielverderber,

Jude

 

Der Herr Leutnant im Ruhestand

ist nicht stets bei so generöser

Laune

 

Er ist bereit zu vergessen,

dass du ein Hund warst und er

ein Herr

 

In die Zukunft müssen wir blicken,

wen schert, was vor

Sekunden war

 

Er weiß doch, wie du nackt aussiehst.

Schafft das nicht

Intimität?

 

Eine Firma will er gründen,

wo nicht Rasse, sondern wo nur

Leistung zählt

 

Wenn du vergisst, dass seine

groben Mörderhände

schmutzig sind

 

Will er im Gegenzug vergessen,

dass du der Schmutz warst,

der sie schwärzte

 

Drum schlag schon ein, Jude

sei kein Spielverderber oder

wir schlagen andere Töne an.

 


 

 

Ich spiele mit dir, sagst du,

Wie der Wind mit einem Herbstblatt spielt.

 

Als Wind kann ich nur entgegnen:

Ich hab dich bloß auf ein Tänzchen entführt.

 

Dich im freien Falle

Aus deiner Zeitlichkeit geblasen.

 

Der Sonne sachte

Zum letzten Küsschen dargeboten.

 

Andere Blätter beneideten dich,

Die senkrecht auf ihre modrige Zukunft fielen.

 

Ich bin nicht schuld an deinem Fall

Weil ich das letzte war, was du spürtest.

 


An die Mutter

 

Wenn Mutter nicht wär

Dann wär ich auch nicht

Wenn Vater nicht wär

Wär ich vielleicht doch

Wenn ich nicht wär

Wär Mutter trotzdem

Dennoch sag ich Dank dir

 


 

Nimm sie nie, wie sie sind

 

 

Man sagte mir,

man müsse die Menschen nehmen,

wie sie sind.

 

Als sie verlernten, zu träumen,

nahm ich sie, wie sie waren.

 

Als sie verlernten, zu denken,

nahm ich sie wie sie waren.

 

Als sie verlernten, zu fühlen,

nahm ich sie, wie sie waren.

 

Aber dann nahmen sie mich,

wie ich bin, an meinem Fell,

das sie mir über die Ohren zogen.

 


 

Gesunder und kranker Sarkasmus

 

Klara ist nur so sarkastisch,

hör ich’s hinter mir tuscheln,

weil man ihr die Kindheit nahm.

 

Nein, ich bin so sarkastisch,

weil meinen Sarkasmus man stets

auf meine Zerstörung runterbricht.

 

Und mir die Möglichkeit nimmt,

der Welt zu beweisen, dass ich

auch ohne diese Zerstörung

so wäre.


 

Heimatfilm

 

Jeder Jodler ein

Triumphschrei

Üüer das Jäten artfremden Krautes

 

Der Filou aus der Stadt im Cabrio,

der Förster, der auf uns schoss.

Für den die heufrische Gebärmagd

sich doch entscheidet am Schluss.

 

Sie verzeihen einander und zechen,

verzeihen auch uns,

solang wir die Sommerfrische blechen.

Dass wir lebten und es noch immer tun,

das verzeihen sie uns nie.

 

Jedes Alpenglühn

das Spiegelbild

des Glosens unsrer Knochen.

 


Rosenpoesie

 

Es gibt lyrische Bilder

Die nutzen sich nie ab

Man verzeiht ihnen die Phrase

Weil sie überzeugend sind.

 

So zum Beispiel von den Männern

Die unsre Rosen pflückten

Aber die Dornen uns beließen.

 

Bei mir war’s umgekehrt:

Man knickte mir die Dornen

Und ließ mit wehrloser Blüte

Mich zurück.

 


 

die realität machte uns angst,

wir entflochten sie

und sperrten ihre elemente in einzelzellen

wo sie voneinander isoliert

in hungerstreik traten

diese zellen nannten wir fortan begriffe

und jede mumie darin das begriffene

 


 

Survival of the fittest

 

Hut ab, Hut ab

Wat de Juden

Da dort unten

Aus der heißen Wüste

Mit beinah

Teutonisch

Manneszucht

Und Arschdisziplin

Für ollen

Staat

Rausgemeißelt haben

Dat verdanken se

Doch, ich will

Mich nicht zu

Sehr rühmen

Aber doch auch

Bittesehr

Dat gehört gesacht

Dem Unstande

Nicht?

Dat wir ihnen

Ordentlich

Auf die Sprünge geholfen

Haben.

Oder?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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