Freiheit oder Tod

Posted by richard Category: Uncategorized

 

Die unglaubliche Geschichte des Griechischen Unabhängigkeitskrieges

 

2021 wird sich der Griechische Unabhängigkeitskrieg zum 200. Mal jähren. Ich lege mit diesem Buch die erste deutschsprachige Monografie vor. Die erste nationale Revolution Europas. Eine nationale Revolution indes, bei der, wie Eric J. Hobsbawm bereits bemerkte, kein einziger Akteur Nationalist war.

Der Griechische Unabhängigkeitskrieg war mehr als nur ein exotischer Mikrokonflikt an der Peripherie Europas, in ihm hielten alle neuen Ideologien der Moderne Probe: republikanischer und ethnokultureller Nationalismus, Plünder- und Hilfslieferungsökonomie, Imperialismus, Orientalismus, Medienpropaganda, humanitärer Interventionismus, Muslimophobie und Orientophilie, Free Trade, Paradoxien der Nahostpolitik, Ethnoromantik, Zivilisationsdünkel. Aufklärung und romantische Gegenaufklärung …

Kein Krieg zuvor hatte dermaßen viel mediale Teilnahme erfahren. Im explodierenden Zeitungswesen diente der griechische Aufstand dem aufstrebenden Bürgertum Europas als Ventil des eigenen Protests gegen die postnapoleonische restaurative Ordnung.

Und es war ein Kapitel deutscher Geschichte. Warum? 1) Nach der Unabhängigkeit regierte eine bayerische Bürokratie unter dem Wittelsbacher König Otto den Staat; 2) das Konzept des Nationalstaats auf ethnokultureller Grundlage ist ein zweifelhaftes Verdienst der deutschen Romantik; 3) die meisten philhellenischen Brigadisten waren deutsche, bisweilen von ihren Uniprofessoren aufgehetzte, junge Hellasschwärmer. Im griechischen Karst, an griechischer Realität würden alle ihre Illusionen auf traumatische Weise zerschellen …

Das Buch wird die spannende, bisweilen verstörende Geschichte eines Krieges erzählen, in dem nichts so war, wie es schien. Der „Freiheitskampf“ wird von Banditenbanden, Warlords und Großgrundbesitzern geführt, die gesamte muslimische und jüdische Bevölkerung der Peloponnes, über 30.000 Menschen, in den ersten Kriegsmonaten massakriert, die Osmanen sind behäbige Verwalter eines erodierenden Reichs oder missverstandene Reformer, die britischen philhellenischen Kreditgeber eigennützige Spekulanten, dazwischen Brigadisten aus allen Teilen Europas, die nach Hellas strömen: Narren, Schwärmer, Hochstapler, Gauner, Idealisten, die ihr Blut für alle mögliche Ideen vergießen, bloß nicht für die unprosaische Realität der griechischen Anarchie, die zu drei Bürgerkriegen und unvorstellbarem Leid der bäuerlichen Zivilbevölkerung führen würde. Der großsprecherische Poet Lord Byron erweist überraschenderweise sich als kühler Tatmensch …

Das Buch wird auch Einblicke in die inkohärente Vielfalt griechischer, balkanischer und levantinischer Kulturen und Lebensformen gewähren, welche den Volksbezeichnungen, wie wir sie heute kennen, Hohn spricht. Vor allem wird das Buch ein anschauliches Lehrbeispiel für die forcierte Nationalisierung vornationaler Gesellschaften geben, denn was in Griechenland um 1820 geschah, sollte als Role Model für beinahe alle Transformationen von Gesellschaften zu vorgestellten Gemeinschaften („imagined communities“) dienen.

Den etwas pathetischen (und möglicherweise nicht markttauglichen) Arbeitstitel „Freiheit oder Tod“ würde ich ev. durch einen besseren ersetzen. Er bezieht sich auf das Motto der Aufständischen: Eleftheria i Thanatos.

 

 

 

 

 

 

 

 

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *.

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>