Das identitätspolitische Lesebuch.  Essays – Radiotexte – Interviews – Aphorismen – Cartoons – Collagen – Postings – Satiren

Drava 2022

 

Verlagstext:

Als Richard Schuberth sich an den Schreibtisch setzte, um eine umfassende Kritik der Identitätspolitik (und ihrer Kritiker) zu schreiben, musste er feststellen, dass das Wesentliche dazu schon längst gesagt wurde, von anderen, aber – zu seinem Erstaunen – auch von ihm selbst.

In seinem publizistischen Schaffen der letzten fünf Jahre finden sich nicht wenige Texte zu diesem sehr heterogenen Themenkomplex. So beschloss er kurzerhand eine Anthologie herauszugeben, mit Essays, Satiren, Interviews, Radiotexten, Aphorismen, Postings, Cartoons und Bildcollagen, die zum Teil bis in die späten 1980er-Jahre zurückdatieren, als Diskussionen zur Identitätspolitik nicht weniger heftig geführt wurden als heute.

Ein unkonventionelles Buch als buntes Mosaik jüngerer und älterer Interventionen zu Rassismus, Antirassismus, Feminismus, Maskulinismus, #MeToo, Political Correctness, Sprachregulierung, kultureller Aneignung, Wokeness, Critical Whiteness und postkolonialen Ansätzen, neuem Puritanismus, Standortbestimmungen der Linken zwischen Klassen- und Anerkennungspolitik, linkem Nationalismus, der Betroffenheitsrhetorik in sozialen Medien, der Frage, was Satire darf – und nicht zuletzt seinen essayistischen Länderstudien zur Konstruktion nationaler Identitäten.

Mit der „Welt als guter Wille und schlechte Vorstellung“ stellt der Autor in diesem heißumfehdeten Feld jedenfalls einen Kompass zur Verfügung, dessen Nadel zwar fröhlich zittert, aber eine ungefähre Richtung vorgibt, wie sich Identitätspolitik kritisieren lässt, ohne den emanzipatorischen Anspruch der neuen sozialen Bewegungen zu verraten.

Link zum Verlag

 

Presseecho:

 

Und siehe da: Schuberths Sammlung verschiedenster Arten von Arbeiten aus mehr als 20 Jahren – von Essays, Artikeln und Buchkapiteln über Radiosendungen bis hin zu Comics und Collagen – repräsentiert alles andere als bittere Betrachtungen eines ,alten weißen Mannes’ mit feuilletonistischer Kulturpessimitis. Es ist vielmehr eine heterogene Zusammenstellung von Fallstudien, die unterschiedliche Anknüpfungs- und Einstiegspunkte für eine kritische sowie abwechselnd genussvolle und schmerzhafte Beschäftigung mit dem Thema der Zugehörigkeit anbieten. Schuberth unterstreicht in einem intellektuellen Hopserlauf voll leichtfüßigen Witzes, dass das Ziel jedes politisch-kämpferischen Zusammenrottens rund um Identitäten am Ende immer sein muss, den Menschen eben aus dem Joch der Identität zu befreien. (…) Frei nach Schuberth sollten wir wohl alle üben, uns ein wenig fremd und suspekt zu bleiben. Dank dieses sowohl formal als auch inhaltlich außerordentlichen Buches fällt dies leichter; ein bunter Watschenbaum, von dem sich noch jede eine aufrüttelnde Einsicht herunterschütteln kann.

Olja Alvir, Tagebuch

 

Es gibt Hunderte Bücher zur Kritik der Identitätspolitik, aber keines ist so schreiend komisch und gleichzeitig gedanklich so tief …

Jakob Hayner, Die Welt

 

Die Lust am Formulieren ist nicht Selbstzweck, sondern birgt das Bewusstsein, dass der sprachliche Ausdruck Teil des Auszudrückenden ist. Ziel ist nicht, Inhalt und Form in Deckung zu bringen und damit falsche Identität zu behaupten, sondern das Herstellen erkenntnisfördernder Anordnungen, die sich reiben und Funken schlagen. So entsteht durch die sprachliche Versiertheit Richard Schuberths das, was er an deutschsprachigen Debatten schmerzlich vermisst und im englischen wit, auf französisch esprit heißt. Das Buch ist ein Vademekum radikaler Kritik, die eben nicht kategorische Urteile für oder gegen etwas fällt, sondern unablässig den ideologischen Bedingungen nachspürt und kenntnisreich falsche Dichotomien hinterfragt, in die sie sich selbst zu verheddern droht. Sie besäuft sich nicht an der selbstgebrannten Geistigkeit und läuft nicht der eigenen Fahne hinterher.

Claus Harringer, Versorgerin

 

…›Die Welt als guter Wille und schlechte Vorstellung‹, ein bei Drava erschienenes ,identitätspolitisches Lesebuch’ zum Irrsinn dieser Tage, dessen heitere, schlaue und doch auch ermutigende Gedanken Seite für Seite erfreuen. (…) Fabelhaft.

Schweizer Monat

 

Zunächst sind es sein frecher Witz und seine Hingabe an die dichteste und schlagendste Formulierung, die Seite für Seite auch Skeptische überzeugen mögen. Und Schuberth schafft es, gleichzeitig analytische Kritik an der »Identitätspolitik» zu formulieren und sie gegen den rechtspopulistischen Mainstream zu verteidigen. Damit liegt mit »Lesebuch« keine Anleitung zum Verrat an emanzipatorischen Bewegungen vor. Es ist vielmehr eine Rückschau auf das vielfältige Œuvre eines geübten Ideologiekritikers und scharfen Senfablassers voller unbequemer, aber umso erhellenderer Gedanken. Ein Buch, das allen auf die Nase gibt, inklusive sich selbst.

Der Falter

 

Eine genauere, entspanntere und vielfältigere Kritik an der Identitätspolitik und ihren Kritiker:innen wird man zurzeit kaum finden.

Osterholzer Anzeiger

 

Richard Schuberths Buch ermöglicht, die oft hermetisch geführten Diskussionen rund um IP zu entschlüsseln. Dabei legt er jene Aspekte der IP frei, die seine kräftigen Attacken verdienen, um zugleich jene zu schützen, die hilfreich für das »gemeinsam nach oben kommen« einsetzbar sind. Damit stellt er sich einer um sich greifenden Antiaufklärung entgegen, die sich dadurch auszeichnet, dass sie die Widersprüche in unserer Gesellschaft nicht verstehen will, sondern vielmehr verleugnet. (…) Richard Schuberth stellt nicht nur sein Können als Radiomacher und Künstler unter Beweis, sondern in erster Linie jenes als Essayist und als Kenner des akademischen Diskurses. Dabei konnten weder Ethnologie- noch Philosophieseminare seinem einzigartigen, satirischen und poetischen Schreiben etwas anhaben. Er zeigt in seinen Beiträgen aus drei Jahrzehnten, dass auch ernst- und gewissenhafte Analyse, Theorie, Kritik mit Witz und Finesse vereinbar sind.

Alexander Emanuely, Der Standard

 

Die berechtigten Anliegen der Identitätspolitik – Antirassismus, Feminismus, Kampf gegen Ungleichheit – gilt es laut Schuberth zu bewahren, aber eben ohne dass eine kollektive Identität die Instanz sein muss, auf die man sich beruft: »Freiheit heißt, dass einer viele werden kann, nicht viele einer.« All das entwickelt Richard Schuberth nicht in abstrakten Thesentexten, sondern mit bösem Witz an den Gegenständen, die er sich vornimmt. (…) Schuberth denkt und schreibt dialektischer und stellt immer wieder die eigenen Widersprüche und Selbstkorrekturen heraus.

Benjamin Moldenhauer, Neues Deutschland