Historisches Sachbuch

Wallstein 2021

 

Verlagstext:

Der Aufstand gegen das Osmanische Reich und die Geburt der griechischen Nation – erzählt als Tragikomödie.

Der Griechische Unabhängigkeitskrieg (1821-29): eine Rebellion, bei der nichts so war, wie es schien. Er zog tausende Philhellenen aus allen Teilen Europas an: Schwärmer, Narren, Hochstapler, Gauner, Idealisten – unter ihnen der Dichter Lord Byron.
Vor Ort zerschellten ihre Illusionen an der griechischen Realität: Der »Freiheitskampf« wurde von Banditenbanden, Warlords und Großgrundbesitzern geführt, die muslimische und jüdische Bevölkerung wurde in den ersten Kriegsmonaten ermordet oder vertrieben, die Osmanen verwalteten lediglich ihr erodierendes Reich und die britischen Kreditgeber agierten als eigennützige Spekulanten.
Richard Schuberth erzählt die Geschichte des Krieges in scharfer Abkehr von nationalen Deutungen – als epische Tragikomödie, die vor allem zu unvorstellbarem Leid der Bevölkerung führte. Seine Studie zeigt die verschiedenen Facetten des Krieges und seiner Protagonisten auf und deutet den Konflikt als »Nabelbruch der Moderne«, in dessen Verlauf viele Topoi und Ideologien unserer Zeit ihren Auftritt hatten: Seien es Medienpropaganda, Orientalismus oder Nationalismus.

Link zum Verlag


Ein Radiofeature zu Buch und Unabhängigkeitskrieg:
»Lord Byrons letzte Fahrt«:

Radio Augustin/Radio Orange
Von Christina Steinle und Richard Schuberth

https://cba.fro.at/543277


Online-Interview von Thomas v. d. Osten-Sacken im Jungle-World-Blog:

Teil 1

https://jungle.world/blog/von-tunis-nach-teheran/2022/05/es-begann-mit-dem-konzertierten-abschlachten-von-muslimen-und

Teil 2

https://jungle.world/blog/von-tunis-nach-teheran/2022/05/von-humanitaet-durch-nationalitaet-zur-bestialitaet


Reaktionen & Rezensionen

 

… der Wiener Schriftsteller und Kulturwissenschaftler Richard Schuberth, der mit „Lord Byrons letzte Fahrt“ pünktlich zum 200. Jahrestag die erste deutschsprachige Monografie zu diesem historischen Ereignis vorlegt – eine Monografie so spannend wie ein Abenteuerroman.

ORF.at

 

Viele zukünftige Themen wie Orientalismus, Nationalismus, humanitärer Interventionismus und die eingreifende Wirkung von Medien wurden im griechischen Unabhängigkeitskrieg bereits bedeutsam. Richard Schuberth schildert ihn fesselnd, komplex und hintergründig. Und immer im Bewusstsein, dass sich diese »blutige Burleske der Verkennungen« eigentlich nur im Ton einer sarkastischen Farce erzählen lässt.

Wolfgang Schneider, Deutschlandfunk

 

Ein 500-Seiten-Ziegel über die Geschichte bzw. Vorgeschichte des modernen Griechenland und seine Befreiungskämpfe in den 20er Jahren des 19. Jahrhunderts? Steht das dafür? Ja, wenn man, wie sein Autor Richard Schuberth, nichts weniger als ein Standardwerk im Schild führt. Und wenn man so fesselnd erzählen kann, wie er es tut. (…) Es ist ein wahrer Ozean an Details, in denen der Autor schier unerklärlich nicht ertrinkt, sondern ihn souverän durchschwimmt – und das in einer stilistischen Brillanz und sprachlichen Eleganz, die ihresgleichen in deutschsprachigen Gefilden vergeblich sucht. Qualitäten, die man üblicherweise bei britischen und angloamerikanischen Autor_innen vorfindet, allen voran bei Eric Hobsbawm. Lord Byrons letzte Fahrt, das ist nichts weniger als Geschichtsschreibung de luxe!

Andreas Felinger, Augustin

 

Lord Byron war »Popstar« unter den europäischen Philhellenen, aber für den Autor ist es nur der Anlass für eine faszinierende Erzählung des griechischen Befreiungskampfes jenseits der Heroisierungen und Beschönigungen, die jede nationale Erzählung nun einmal braucht. Mit Detailtreue und chirurgischer Präzision bei seinen Ausführungen über die Protagonisten, ihre sozialen Bezüge und die Zeitverhältnisse beschreibt Schuberth den schmerzhaften Übergang einer blutbefleckten Welt ohne Nationalbewusstsein hin zur Schaffung einer Staatsnation. Die griechische Revolution ist für den Autor ein Modell der Transition zur modernen Welt. Mit scharfer, dichter und kraftvoller Sprache zeigt Schuberth, dass er nicht nur die Epoche, die er in seinem Buch behandelt, sondern auch das moderne Griechenland profund kennt.

Georgios Pappas, Ta Nea

 

Die Darstellung ist sehr dicht, manchmal gedrungen. Dennoch lohnt sich die Lektüre: Der/die Leser*in kann sich auf einen europapolitischen Krimi im historischen Setting des Griechenaufstandes freuen.

Markus Steinmayr, der Freitag

 

In Schuberths kaleidoskopartiger Betrachtung der Geschehnisse und seiner Fokussierung auf verschiedenste global player und local heros der Epoche tritt die Vielschichtigkeit der zeitgenössischen Entwicklungen hervor. Der Autor, der sich wiederholt durch essayistische sowie jahrelang recherchierte historische Abhandlungen hervorgetan hat, wendet sich in diesem Werk kritisch dem nation building des 19. Jahrhunderts und der aus damaliger Sicht noch keineswegs selbstverständlich erscheinenden Ethnogenese zu. Dabei sollte man ihm keinesfalls auf den Leim gehen: Statt auf eine rein dokumentarische fachwissenschaftliche Darstellung zielt Schuberth vielmehr darauf, durch literarische Pointierung und bisweilen satirische Überzeichnung den in seiner internationalen Relevanz bereits hochmodernen Krieg – inklusive seines Vor- und Nachspiels – mittels essayistisch anmutender Sprachgemälde abzubilden. (…) Schuberth, der auch als Romanautor bekannt ist, gelingt es auf unterhaltsame Weise, ein Panoptikum der damaligen Situation bilderreich in Szene zu setzen und zugleich deren Vielschichtigkeit herauszustellen. (…) Ein eigener Abschnitt wird den Frauen der Epanastasis gewidmet, etwa der Kapitanissa Laskarina Bouboulina oder Manto Mavrogenous, la belle Mado. Spannend liest sich die Zusammenschau der verschiedenen, häufig einander widersprechenden Motive und Zeugnisse der europäischen Philhellenen und freiwilligen Griechenlandfahrer.

Markus Hafner, Der Standard

 

Im Gegensatz zu der schablonenhaften Wahrnehmung der europäischen Philhellenen, die Griechen im Kampf gegen Türken sahen, erklärt Schuberth, dass es sich bei diesen Begriffen nicht um ethno-nationale Kategorien handelte – denn viele “Türken” sprachen Albanisch oder Griechisch und konnten sich mühelos mit “griechischen” Freischärlern verständigen, die oft orthodoxe Albaner (Arvaniten) waren.

Oliver Jens Schmidt, F.A.Z.

 

Schuberths Erzählung entfaltet einen wunderbar starken Sog. Dem Autor dient Lord Byron als Kulminationspunkt epochaler Ideen und Irrtümer.

Jamal Tuschick, Textland